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Skandalversicherer AIG verteilt neue Boni-Millionen

Der nur durch staatliche Rettungszahlungen über 182 Mrd. Dollar vor dem Aus bewahrte US-Versicherer AIG   sorgt mit dem Vorhaben, bereits heute, Mittwoch, rund 100 Mio. Dollar Boni auszuzahlen, für neuerlichen Unmut.

US-Medienberichten nach sollen die Gelder vor allem den Mitarbeitern der Sparte zugute kommen, die für den Beinahe-Crash 2008 verantwortlich waren. Die vorgezogenen Bonuszahlungen gehen laut AIG aber nur an jene, mit denen man sich vorher darauf verständigt hatte, dass diese auf bis zu 20 Prozent ihres Sondersalärs verzichten.

Staat nur bedingt Einfluss auf Boni

“Im Vergleich zu den Verhältnissen in Europa sind die gezahlten Summen in den Vereinigten Staaten astronomisch hoch. Gerade wenn der Staat mit Milliarden an Steuergeld das Aus von AIG verhindert hat und zusätzliche Garantien übernimmt, ist es verwunderlich, dass man bei den Vergütungen nur bedingten Einfluss hat”, unterstreicht Georg Stadtmann vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Europa-Universität Viadrina. Ähnlich sieht dies der republikanische Senator Charles E. Grassley, der gegenüber dem Wall Street Journal davon spricht, die Regierung sei “ausmanövriert” worden.

Wie außerdem bekannt wurde, sollen in Summe rund 200 Mio. Dollar ausgezahlt werden. Mit Abschlägen sowie einer zeitlich versetzen Auszahlung bis März dieses Jahres wollte die AIG-Spitze einen Aufruhr wie im vergangenen Jahr verhindern. Damals hatten Bonuszahlungen im Ausmaß von mehr als 160 Mio. Dollar zu einem Sturm der Entrüstung geführt. Trotz heftiger Kritik aus dem Weißen Haus und der Ankündigung des US-Präsidenten Barack Obama, nicht nur Obergrenzen einzuführen, sondern auch einen Teil der Bonuszahlungen zurückzuholen, scheiterte man an Arbeitsverträgen, die vor der Finanzschieflage AIGs geschlossen wurden.

Managerhaftung als Weg zur Nachhaltigkeit

“Das Hauptproblem in Europa und in den USA ist die Etablierung von vertraglich definierten Haftungsklauseln, wonach Manager zum Beispiel mit ihrem Privateigentum haften, wenn sie finanziellen Schaden für das Unternehmen anrichten”, so Stadtmann. Dem Branchenkenner nach wäre dies ein Weg, um eine nachhaltige strategische Ausrichtung zu ermöglichen. Obwohl Obama überbezahlten Managern den Kampf angesagt hat und diese daraufhin versprachen, freiwillig Boni zurückzugeben, floss bis heute nicht einmal die Hälfte des Geldes in die Steuerkasse. “Das System muss sich grundlegend ändern”, sagt Stadtmann.

Die Einschätzung scheint angesichts eines in der AIG-Geschichte bisher einmaligen Verlusts von über 100 Mrd. Dollar 2008 evident. Obwohl die Zahlen für 2009 noch ausstehen, wird damit gerechnet, dass sich der Fehlbetrag durch eine Reihe von Spartenverkäufen reduziert hat. So wurde beispielsweise der Verkauf der Autoversicherungssparte im April vergangenen Jahres diskutiert. Die Regierung hält nach der Fast-Verstaatlichung des Versicherungsgiganten gegenwärtig knapp 80 Prozent der Anteile.

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