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Wenn Mama oder Papa trinkt

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image Bild: adel / pixelio.de

Kind zu sein in einer Familie, in der die Mutter oder der Vater alkoholabhängig ist, ist eine grosse Belastung. Und dies hinterlässt oft Spuren, die bis ins Erwachsenenalter fortdauern. Mit einer Plakatkampagne macht Sucht Schweiz auf diese Situation aufmerksam. "Heute ist Hilfe möglich. Für alle". Betroffene Eltern, ihre Kinder, aber auch Erwachsene, die mit einem alkoholkranken Elternteil aufgewachsen sind, sollen wissen, dass sie Unterstützung finden können.

In der Schweiz wachsen mehrere Zehntausend Kinder mit einem Elternteil auf, der alkoholabhängig ist. Viele dieser Kinder leiden darunter. Ihnen fehlt häufig Geborgenheit, und sie fühlen sich schuldig dafür, dass Mama oder Papa trinkt. Sie verstehen nicht, was geschieht, und sie stehen mit ihrer Verunsicherung und ihren Ängsten oft alleine da. Kurz: Die Belastung ist enorm, und sie kann ein Leben lang fortdauern.

Eine doppelte Herausforderung Auch für alkoholabhängige Eltern ist die Situation häufig sehr belastend. Es ist schon schwierig genug, sich einzugestehen, dass man seinen Alkoholkonsum nicht mehr im Griff hat. Sich zudem bewusst zu werden, dass man dadurch nicht nur sein eigenes Wohl, sondern auch das seines Kindes gefährdet, stellt eine doppelte Herausforderung dar. Nicht nur innerhalb der betroffenen Familien, sondern auch in ihrem Umfeld wird deshalb kaum über dieses Thema gesprochen.

Um dieses Tabu weiter aufzuweichen, lanciert Sucht Schweiz heute eine nationale Sensibilisierungskampagne. Stellvertretend für Kinder, die heute in dieser Situation leben, und für Erwachsene mit einer solchen Kindheit drückt es eine heute 55-jährige Frau so aus: "Ich vermisse einen Teil meiner Kindheit. Meine Mutter war Alkoholikerin." Zwar liegt das alltägliche Leid der Kindheit hinter ihr. Und doch weiss sie, dass dies Spuren hinterlassen hat, die sie auch im Erwachsenenalter begleiten. Unterstützung und Veränderung aber sind möglich, zum Beispiel indem man sich einer Fachperson oder einer nahestehenden Person anvertraut und über die Belastungen spricht.

Sucht Schweiz engagiert sich seit vielen Jahren Deshalb lautet die ermutigende Botschaft der Kampagne: "Heute ist Hilfe möglich. Für alle." In verschiedenen Regionen der Schweiz bestehen Beratungsangebote und Gruppentherapien für suchtkranke Eltern und für betroffene Kinder. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann wesentlich dazu beitragen, Ermutigung und Unterstützung zu erfahren. Die Website www.infoset.ch bietet eine umfassende Übersicht über alle kantonalen Beratungsangebote sowie Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen.

Sucht Schweiz unterstützt seit vielen Jahren diese wertvollen kantonalen Projekte fachlich und finanziell. Mit eigens erarbeiteten Broschüren spricht Sucht Schweiz zudem Erwachsene an, die eine solche Kindheit durchlebt haben. Alkoholkranke Eltern werden in ihrer Elternrolle gestärkt und ermutigt, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Das Kinderbuch mit der Geschichte des kleinen Hundes "Boby" hilft Kindern zu verstehen, was in Familien mit Alkoholproblemen geschieht. Ein Leitfaden für Fachpersonen gibt u.a. Anregungen, wie betroffene Eltern sowie Kinder und Jugendliche auf die Problematik angesprochen werden können.

Einfach zugängliches Angebot: www.mamatrinkt.ch / www.papatrinkt.ch. 2011 hat Sucht Schweiz diese Webseiten lanciert, mit dem Ziel, dass betroffene Kinder und Jugendliche altersgerecht aufgearbeitete Informationen sowie Hilfsangebote finden. In anonymen und von Fachleuten moderierten Gesprächsforen können die Kinder und Jugendlichen zudem ihre Sorgen und Anliegen äussern und sich mit anderen Betroffenen austauschen.

Vieles bleibt zu tun Das Engagement für Kinder aus alkoholbelasteten Familien braucht einen langen Atem. Ein solch grosses Tabu lässt sich nicht einfach und in kurzer Zeit auflösen. Bestehende Unterstützungsangebote müssen verstärkt bekannt gemacht sowie weitere Angebote geschaffen werden. Sucht Schweiz möchte Partnerorganisationen auch zukünftig mit Grundlagen, Vernetzung und Schulung in ihrem Engagement für suchbelastete Familien unterstützen und dazu beitragen, dass Kinder und Eltern nicht alleine gelassen werden.

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