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So gefährlich ist Übergewicht wirklich

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Die Medizin beobachtet bereits seit 20 Jahren einen bedrohlichen Anstieg der Anzahl übergewichtiger und adipöser Menschen weltweit, wie auch in der Schweiz. Etwa ein Drittel der Schweizer leidet an Übergewicht. Auch unter Kindern steigt die Zahl immer weiter an, mittlerweile gilt etwa jedes fünfte Kind als übergewichtig. Übergewicht zählt zu den vermeidbaren Krankheiten, die in der Schweiz für eine besonders hohe Krankheitslast sorgen. Doch was macht Übergewicht eigentlich so gefährlich?

Wer gilt als gesund?

Etwas mehr Gewicht auf die Waage zu bringen oder einen leicht grösseren Umfang zu haben, sollte so schädlich nicht sein – diese Annahme treffen die meisten. Tatsächlich muss eine Gewichtszunahme nicht zwingend ein Gesundheitsrisiko darstellen. Entscheiden ist, wie stark das Übergewicht ausgeprägt sowie auch das Bauchfett ausgeprägt sind.

Für die Klassifizierung wird häufig der Body-Mass-Index (BMI) zu Rate gezogen. Laut diesem gilt eine Person mit einem Wert von 25 oder mehr als Übergewichtig. Ab einem BMI von 30 wird von einer Adipositas und gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie Risiken gesprochen. Betroffene mit einem BMI von mehr als 35 gelten als stark Übergewichtig und extrem Gesundheitsgefährdet. Nicht zwingend muss ein erhöhter Wert für eine Gesundheitsgefährdung stehen, es kommt zudem auf die Körperfettkonzentration an.

Gelenkschäden, Diabetes, Bluthochdruck – diese Krankheiten sind zu befürchten

Menschen, die unter Adipositas leiden, haben ein stark erhöhtes Risiko an verschiedenen Folgeerkrankungen zu leiden. Diese Erkrankungen können sowohl chronischer als auch akuter Natur sein. Erste Beschwerden zeigen sich bedingt durch die erhöhte Belastung auf den Körper, die mit mehr Gewicht einhergeht. Gelenke, Atemwege und Herz werden beansprucht.

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Grafik: healthexpress.ch

 
Die Gelenke - besonders Fuss- und Kniegelenke - sind mit dem hohen Gewicht überlastet und nehmen auf Dauer schaden. Auch Gelenkentzündungen und eine Verkalkung der Knochen sind möglich. Alltägliche Bewegungen kosten den Körper mehr Energie und belasten so das Herz sowie den Kreislauf. Da der Sauerstofftransport im Körper beeinträchtigt ist, sind Patienten schneller ausser Atem. Infolge wird tief und schnell inhaliert und die Atemmuskulatur beansprucht.

Um den Sauerstofftransport zu beschleunigen muss das Herz schneller arbeiten. Diese Dauerbelastung kann zu arterieller Hypertonie, Bluthochdruck, führen. Infolge können sich zudem koronare Herzerkrankungen bilden. Auch weitere Gefässerkrankungen, wie Arteriosklerose oder Diabetes mellitus Typ 2, sind möglich. Gerade Diabetes Typ 2 wird häufig auf eine ungesunde Ernährung mit kombiniertem Bewegungsmangel, wie sie bei Übergewicht typisch ist, zurückgeführt. Gerade die Kombination von Stoffwechselerkrankungen und Adipositas führt zu einem stark erhöhtem kardiovaskulären und Sterberisiko.

Weitere mögliche Folgen sind:
•    Fettstoffwechselstörung
•    Schlafapnoe
•    Fettleber
•    Hautentzündungen
•    Fruchtbarkeitsstörungen
•    Gallenblasen/-stein-Erkrankung
•    Lungenfunktionsstörung
•    Wundheilungsstörung
•    Gicht
•    Thrombose
•    Gerinnungsstörung

Erhöhtes Krebsrisiko und geringere Lebenserwartung

Untersuchungen der WHO und medizinischer Institutionen weisen zudem auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch Adipositas hin. Bereits ab einem BMI von 25 steigt das Erkrankungsrisiko verschiedener Krebsarten um mindestens 20 Prozent, wie z.B. Dickdarm- oder Brustkrebs. Nierenzell- und Speiseröhrenkrebs sind zu 35 Prozent auf Übergewicht zurückzuführen. Im Falle von Gebärmutterhalskrebs sind die Erkrankungen sogar zur Hälfte durch Adipositas bedingt. Insgesamt seien etwa 3 bis 6 Prozent aller Krebsneuerkrankungen darauf zurückzuführen.

Das erhöhte Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen, wie koronaren Krankheiten oder Krebs, wirkt sich schlussendlich negativ auf die Lebenserwartung aus. Ein BMI von 30 erhöht die Sterblichkeitsrate um etwa 30 Prozent, gegenüber einem gesunden Gewicht. Bei einem noch höheren Wert von 40 bis 45, wird sogar davon gesprochen, dass die Lebenserwartung 8 bis 10 Jahre reduziert wird, was in etwa dem Effekt von regelmässigem Nikotinkonsum entspricht.

Auch die Psyche leidet

Neben den körperlichen und gesundheitlichen Risiken, die durch Adipositas ausgelöst werden
können, leiden die Betroffenen oftmals auch unter psychischen Folgen der Fettleibigkeit. Ob und
welche psychischen Probleme auftreten, liegt an der Persönlichkeit und an der Mentalität der
Erkrankten. Häufige Probleme sind jedoch Diskriminierung und Mobbing, sowie Einschränkungen bei
der Teilnahme am sozialen Leben und an sozialen Aktivitäten. Depressionen und Minderwertigkeitskomplexe sowie ein fehlendes Selbstwertgefühl können oft als Folge der Adipositas auftreten und zusätzliche Probleme bei den Betroffenen verursachen. Leicht entsteht eine Spirale aus Mobbing, Minderwertigkeitsgefühlen und Depressionen, indem sich die Symptome potenzieren.
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Ein weiteres Problem, mit
welchem sich Personen die unter starkem Übergewicht konfrontiert sehen, ist die Entwicklung von Essstörungen. Der Grund dafür ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, die insbesondere durch Mobbing entsteht. Solche Situationen können zu akuten depressiven Verstimmungen führen, die mit „Frustessen“ überwunden werden, woraus sich letztendlich ein dauerhaftes Essverhalten bis hin zu Binge Eating entwickeln kann. Beim Binge Eating kommt es vermehr zu unkontrollierbaren Essattacken, in denen über das Sättigungsgefühl hinaus Nahrung aufgenommen wird. Es besteht auch die Gefahr des umgekehrten Falls, in dem sich die Unzufriedenheit mit dem Körper in eine Ess-Brech-Sucht verwandeln kann. Um eine weitere Gewichtszunahme durch depressive Heißhungerattacken zu vermeiden, wird die Nahrung sofort erbrochen.

Eine Gewichtsabnahme rettet Lebensjahre


Eine Gewichtsreduktion auf ein gesundes Niveau ist in jedem Fall mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Gesundheitliche Risiken können wieder auf Normalniveau herabgesenkt werden. Symptome, wie die Belastung von Lunge oder Gelenken, können behoben werden. Hat sich eine chronische Erkrankung ausgebildet können meist Beschwerden nur noch gelindert werden, die Krankheit selbst aber meist nicht kuriert werden.

Entscheidend ist zudem eine Gewichtsreduktion immer moderat anzugehen und auf radikale, einseitige Diäten zu verzichten, da auch ein zu schneller Gewichtsverlust gesundheitliche Folgen haben kann. Es wird davon ausgegangen, dass bereits eine Gewichtsreduktion um 10 Prozent, die Lebenserwartung um 20 Prozent erhöht. Ausserdem werden Erkrankungsrisiken, wie Krebs oder Diabetes, um 40 bzw. 30 Prozent gesenkt.

Siehe auch:
•    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/article/851676/studie-zeigt-adipositas-immer- folgen.html
•    http://www.gesundheit.de/ernaehrung/essstoerungen/adipositas-folgen
•    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/vorbeugung/krebserreger-in-zahlen-tumoren-in-darm-brust-und-niere-so-erhoeht-uebergewicht-ihr-krebsrisiko_id_5127971.html
•    http://www.fitforfun.de/abnehmen/lebenserwartung-uebergewicht-genauso-gefaehrlich-wie-rauchen_aid_7172.html

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