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Dank "S(e)oul food" körperlich und kulturell satt werden

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Ob als Fondue oder Raclette – Käse ist hierzulande nicht nur fester Bestandteil des Speiseplans, sondern auch Teil der kulturellen Identität. Vergleichbare Bedeutung hatte Kimchi für die Südkoreanerinnen und Südkoreaner, die in den 1960er-Jahren in die Schweiz und nach Deutschland auswanderten. Kimchi bedeutet für sie Heimatküche und Essen für die Seele zugleich. Die neue Ausstellung des Völkerkundemuseums der Universität Zürich zeigt, wie die koreanischen Einwanderer «S(e)oul food» nutzten, um ihre Herkunft und kulturelle Identität mit der neuen Alltagsrealität und erhofften Zukunft zu verbinden.

Einschneidende Ereignisse prägten Korea zwischen 1910 bis 1953: die japanische Besetzung, die Teilung des Landes und der Koreakrieg. Als in den 60er- und 70er-Jahren die Wirtschaft in Mitteleuropa boomte, migrierten rund 20’000 südkoreanische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter – viele als Bergarbeiter und Krankenschwestern – in die Schweiz und nach Deutschland. Geprägt von starkem Heimweh fanden sich die Migranten in einer politisch, wirtschaftlich und kulturell vollkommen neuen Welt wieder, auf die sie nicht vorbereitet waren. Zu Sprachbarrieren und sozialem Abstieg gesellte sich eine gänzlich unbekannte Küche.

S(e)oul food als neue kulinarische Heimat

«Das Leben der südkoreanischen Einwanderer war geprägt von einer tiefen Sehnsucht nach vertrautem Essen», sagt Mareile Flitsch, Direktorin des Völkerkundemuseums der UZH. «Gleichzeitig ist Ernährung jener Bestandteil einer Kultur, der sich einfach mitnehmen lässt, wenn man in ein anderes Land zieht – vorausgesetzt, man findet vor Ort die nötigen Grundnahrungsmittel».

Neben Reis als Hauptnahrungsmittel war dies für die koreanischen Familien vor allem Kimchi: mit Sesamöl, rotem Chili und Knoblauch scharf gewürzter und fermentierter Chinakohl, der am ehesten mit dem hiesigen Sauerkraut vergleichbar ist. «Basierend auf lebendigen Erinnerungen und praktischem Ernährungswissen erschufen sich die Gastarbeiterinnen mit der Zeit eine neue kulinarische Heimat: ‹soul food›», erklärt Mareile Flitsch, «und Kimchi stand im Zentrum dieser Kulturtechnik». Dank ihren mitgebrachten «Skills» gelang es ihnen nicht nur, körperliches und seelisches Wohlbefinden zu erlangen. Sie konnten sich mit Hilfe von «S(e)oul food» in der neuen Heimat auch individuell neu orientieren.

Einblicke in koreanisch-kulinarische Erinnerungen

Die neue Ausstellung «S(e)oul food» des Völkerkundemuseums der UZH gewährt Einblicke in die kulinarischen Erinnerungen von Schweizer Koreanerinnen und Koreanern. Sie beleuchtet eine noch wenig bekannte, aber aufstrebende asiatische Küche. Kimchi ist nationales Kulturerbe in beiden Koreas und ist mittlerweile ein internationales Konsumgut. Selbst die Strassenküchen in der modernen südkoreanischen Metropole Seoul produzieren heute eine Art «soul food»: eine Erinnerung an ein traditionelles, einfaches Mahl im hektischen Alltag mit Kimchi als festem Menübestandteil. In Europa entwickelt sich Kimchi gegenwärtig zum neuen Trendgemüse.

Illustrationen der Integration zwischen Kimchi und Käse

Das Thema Essen zieht sich wie ein roter Faden durch die autobiographischen Erzählungen südkoreanischer Migrantinnen und Migranten. Einen ganz individuellen Umgang mit dem Thema fand die koreanische Malerin Cookie Fischer-Han. Nachdem sie Anfang der 1990er-Jahre in die Schweiz gezogen war, erlebte auch sie die Integration in die hiesige Gesellschaft als grosse Herausforderung. Selbst ihr gewohntes koreanisches Essen liess sich in der Welt von Kartoffeln und Brot damals kaum vollständig zubereiten. Mit der Zeit schuf Cookie Fischer-Han ihren persönlichen «S(e)oul food». Zwischen 2009 und 2016 entstand die Bilderserie «The Art of Korean Cuisine». Sie sind das Ergebnis ihrer eigenen ästhetisch-kulinarischen Reflexion über Herkunft und Identität, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen.

 

Bild: © Nattkamol

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