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Lauwarme Entschuldigung gegenüber Verdingkindern im Thurgau

Die Wanderausstellung «Verdingkinder reden», die derzeit in Frauenfeld gezeigt wird, führt aufgrund von Einzelberichten drastisch vor Augen, was es heisst, als Verdingkind aufgewachsen zu sein. Ein Verdingkind musste sich vielfach unter lieb- und rechtlosen Umständen seinen Lebensunterhalt durch Arbeitsleistung gegenüber der Pflegefamilie soweit möglich selbst verdienen. Gelegentlich wurden zudem Verdingkinder missbraucht. Dies war bis Mitte des 20. Jahrhunderts das Schicksal einer Vielzahl von fremd platzierten Kindern, deren oft kinderreiche Eltern nicht in der Lage waren, sie selbst aufzuziehen.

Zum Anlass der Ausstellung «Verdingkinder reden» wünscht sich der Regierungsrat des Kantons Thurgau, dass möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner Zeit finden, den Stimmen der ehemaligen Verdingkinder intensiv zuzuhören. Was vielen von diesen Menschen völlig unverschuldet in ihrer Kindheit und Jugend angetan worden ist, konnten die Betroffenen zeitlebens nicht mehr vergessen. Hinter den berührenden Geschichten tun sich menschliche Abgründe auf. Der Regierungsrat bedauert es und entschuldigt sich dafür, dass solche Verdingungen von staatlichen Behörden veranlasst oder toleriert worden sind. Es bleibt also leider bei einem "lauwarmen Händdedruck"für die Opfer dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kanton Thurgau.

In der Beantwortung der Einfachen Anfrage «Verdingkinder im Kanton Thurgau» vom 21. September 2010 hat sich der Regierungsrat ausserdem bereit erklärt, ein Forschungsprojekt zu diesem Thema sowohl fachlich als auch finanziell zu unterstützen.