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Historiker sagt: "Polen hat mehr Juden getötet als die Deutschen"

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Das Büro der Warschauer Staatsanwaltschaft hat wegen der Erklärung eines amerikanischen Historikers eine Untersuchung eingeleitet. Er behauptet, dass Polen im Zweiten Weltkrieg "tatsächlich mehr Juden tötete als die Deutschen."

Jan Tomasz Gross, ein Professor für Geschichte und Soziologie an der Princeton Universität im VS-Bundesstaat New Jersey der selbst polnischer Herkunft ist, wird beschuldigt wegen öffentlicher Beleidigung, Diffamierung Polens und Beschmutzens des guten Namens des Landes.

Das Verfahren gegen Gross, der selbst einer jüdischen Familie entstammt und 1947 in Warschau zur Welt kam, basiert auf Artikel 133 des polnischen Strafgesetzbuches, wonach dem amerikanischen Professor bis zu drei Jahren Haft drohen für "öffentlich Beleidigung des polnischen Volkes und der Republik Polen," so Przemyslaw Nowak, ein Sprecher des Büros der Staatsanwaltschaft am vergangenen Donnerstag.

In einem Artikel einer deutschen Zeitung (Die Welt), der am 13. September veröffentlicht wurde, kritisierte er die osteuropäischen Ländern, darunter Polen, Ungarn und die Slowakei, für ihre "intolerante, engherzige und fremdenfeindliche Haltung". "Sie sind nicht in der Lage, sich an den Geist der Solidarität zu erinnern, der sie vor einem Vierteljahrhundert in die Freiheit geführt hat", so Gross.

Der Historiker behauptet auch, dass Polens "herzloses, gefühlloses und kaltblütiges" Verhalten und seine Rhetorik tief in der "mörderischen Vergangenheit" liegen würden, die neu überdacht werden müsse. "Zum Beispiel, wenn Polen auch zu Recht stolz sind auf ihre Anti-Nazi-Bewegung, sie haben tatsächlich mehr Juden als die Deutschen während des Zeiten Weltkriegs getötet," schrieb Jan Gross in dem Artikel.

Der Artikel löste eine Welle der Empörung in Polen aus. Die Staatsanwaltschaft hat nicht weniger als 125 Rechtsbeschwerden empfangen, berichtete die polnische Tageszeitung "Gazeta Wyborcza".  Am 14. September, dem Tag nachdem der Artikel veröffentlicht worden war, schickte die polnische Botschaft in Deutschland eine Protestnote an das "Die Welt" Büro. Die Veröffentlichung eines "unerklärlichen und beleidigendenden" Artikels, wurde als Versuch kritisiert die "Geschichte neu zu schreiben."

Der polnische Aussenministeriums-Sprecher Marcin Wojciechowski, kritisierte ebenfalls den Text des Artikels und nannte ihn "unwahr und beleidigend für Polen und schädlich für die Geschichte", zitiert ihn die "Gazeta Wyborcza".

Am 16. September hatte eine Gruppe von polnischen Aktivisten eine Petition an Polens Präsident Andrzej Duda gerichtet in der sie ihn bitten, die Verleihung des Verdienstordens der Republik Polen an Gross zu widerrufen. Die Petition wurde von mehr als 8.600 Menschen unterschrieben.

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