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Lischer-Studie: Von wegen erhöhtes Suchtpotenzial bei Online-Glücksspiel!

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Eine Meta-Studie zeigt, dass Online Casino das Suchtpotenzial bei Glücksspiel nicht erhöht. Trotzige, aber glasklare Erkenntnisse stellen den deutschen Glücksspielstaatsvertrag infrage.

Der Glücksspielstaatsvertrag wurde einst entworfen, um deutsche Bürger zu schützen. So in etwa der Kanon seiner Befürworter, an dem sie bis heute festhalten. Der Schutz der Bürger vor Spielsucht war einer der lobenswerten Beweggründe, der die Bürokraten einst vereint auf den Plan rief, und sie den Vertrag entwerfen liess, der sich im Grossen und Ganzen an private Glücksspielanbieter und das Online-Glücksspiel insbesondere richtet.

Jetzt wurde die Gefahr der Spielsucht beim Online Glücksspiel in einer Studie aufs Korn genommen und die Meta-Studie widerlegt erhöhte Suchtgefahr im Online Casino. Das Online Casino ist laut der Studie für einen Suchtgefährdeten nicht gefährlicher als das landbasierte Casino in Aachen oder Bremen.

Was tut man mit dieser Information, wenn man gerade eben mal wieder versucht, 16 Länder bei der Abstimmung für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag unter einen Hut zu bringen (von denen eines von jeher rebellisch ist)?

Der Glücksspielstaatsvertrag ist im 10. Jahr

Der, zumindest unter Glücksjägern, inzwischen schon gut bekannte und gefürchtete Glücksspielvertrag sorgt seit langem für Unsicherheit in deutschen Landen. Nie weiss man so genau, woran man ist, spielt man legal oder nicht, darf man seine Gewinne behalten, oder nicht.

Im Jahr 2008 ging es bereits mit dem Glücksspielstaatsvertrag los. Seine Reife an Jahren hat ihn nicht reifer werden lassen, nur lästiger. Seit seiner Geburt gab es um diesen Vertrag nichts als Querelen, obwohl man denken sollte, dass bei einem Staatsvertrag von vornherein eine gewisse Einigkeit besteht.

Dieser Ärger hat allerdings auf Dauer herzlich wenige Spieler in Deutschland vom Spielen abgehalten, denn im Prinzip ist man sich ja schon seiner Rechte nicht nur als deutscher Bürger sondern auch als Bürger der EU bewusst.

Wenn man Casino Spiele mit Echtgeld spielen will, dann weiss man eben in der Regel einfach, wo man legal spielen kann, und wo nicht. Man ist Internet-weise geworden und informiert sich eben einfach, was ein gutes, vertrauenswürdiges Online Casino ausmacht. Dazu gehört in der Regel eine ordentliche Lizenz aus einem europäischen Land. Diese erhalten viele Casinos nun aus den europäischen Ländern Malta, Gibraltar, Grossbritannien und vielen weiteren Ländern. Solange sich Deutschland weiter weigert, Lizenzen zu vergeben.

Ist das Verbot von Online Casinos in Deutschland rechtswidrig?

Einige Zungen mögen nun behaupten, dass der Glücksspielstaatsvertrag rechtswidrig sei. Doch dies ist Unsinn, denn er beruht auf deutschem Recht, folgt einer Abstimmung der Länder (daher Staatsvertrag) und wurde rechtlich besiegelt. Die Basis für die Behauptung ist natürlich die Lischer-Studie, die den Grund für den Staatsvertrag widerlegt, dass die Bürger vor Online-Glücksspiel aufgrund von Suchtpotenzial geschützt werden müssen.

Doch war dies nur einer der Gründe für den Vertrag. Weitere Gründe waren der Jugendschutz und generell eine Eindämmung der Flut von nicht-regulierten Online Casinos mit schwammigen Lizenzen aus Karibikstaaten und Indianerreservaten in Nordamerika.

Es wird immer schwarze Schafe geben, ein solches Problem geht nicht einfach weg. Umso dringender benötigt man eine gesamtdeutsche Regelung, die den seriösen Online-Etablissements unter Einhaltung von strengen Regeln, die tatsächlich den Bürger schützen sollen, den Eintritt gewährt. Und den unseriösen den Eintritt verwehrt.


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Bild: © lucadp/123rf.com

Tatsache ist, das sich die Länder nicht einig sind

Schleswig-Holstein hat es vorgemacht. Zuerst in 2012 und in 2017 noch einmal, weil's so schön war. Das Land liess den neuen Glücksspielstaatsvertrag einfach platzen. Für sich zumindest. Im Kieler Landtag sprach man sich relativ deutlich für ein Nein aus, dabei waren sich die CDU, FDP und Grüne selten so einig wie diesmal und auch der SSW stimmte dafür, dass man dagegen stimmen solle. Denn hier ist man sicher, dass man die Regulierung im Griff hat. Dabei steht man damit auf der gleichen Wellenlänge wie die meisten Staaten der EU.

Die Gesetzeslage in Europa ist in vielen Staaten offener als in Deutschland.  

Im eigenen Land hat man Verbündete. Auch Hessen kündet schon seit Längerem an, dass sie der Sache ein wenig müde seien. Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich sagte, er erwarte das Ausscheren weiterer Bundesländer. Er forderte, mit diesen den "Schulterschluss" zu suchen. Hessen könne bei einem "nicht überzeugenden" Ergebnis vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen, kündigte Innenminister Peter Beuth (CDU) im September vergangenen Jahres bei einer Debatte im Wiesbadener Landtag an.

Im vergangenen Jahr blieb man dennoch tatsächlich am Ende nur bei der bestehenden Regelung, weil es immer noch keine handfeste Alternative gab. Und man befürchten musste, dass sich weitere Länder vom Staatsvertrag abwenden würden, was irgendwann dann den Namen Staatsvertrag auch nicht mehr rechtfertigen würde.

Im Mai diesen Jahres traf man sich wieder. Zum dritten Bundeskongress zum Glücksspielwesen traf sich so einiges, was in der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Rang und Namen hat. Wiederum gab es keine brauchbaren Alternativen. Oder vielleicht macht sich keiner die Mühe, diese zu suchen.

Schleswig-Holstein hat Nägel mit Köpfen gemacht und sich auf die verworrene Geschichte nicht mehr eingelassen. Und sie fahren auch ganz gut damit. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, wann andere Länder zum von Wolfgang Greilich angekündigten “Schulterschluss” anrücken. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein, Hans-Jörn Arp appellierte ja sogar schon an die Länder, sich das schleswig-holsteinische Gesetz zum Vorbild zu nehmen.

Den privaten Anbietern mag die Sache nicht egal sein. Lieber wäre auch ihnen eine ordentliche Lizenz aus Deutschland. Doch ihr Geschäft geht auch ohne diese Lizenz mit den Lizenzen aus anderen europäischen Ländern weiter, wie man sieht.

Wie man in anderen Ländern damit umgeht, sieht man auch bei den Nachbarn Österreich und der Schweiz. Wobei diese beiden in dieser Hinsicht nicht wirklich zu den besseren Beispielen einer freien Wirtschaft und frei entscheidender Bürger gehören. Bei der Schweiz könnte man eine Ausnahme machen, denn bei einem Referendum im Sommer zum Geldspielgesetz entschied sich eine im wahrsten Sinne des Wortes überwältigende Mehrheit  für die Regulierung durch ein neues Glücksspielgesetz. Ob die Befürworter nun der Meinung waren, diese neue Regulierung solle die bösen Buben fernhalten oder generell alle Online Casinos und Online Etablissements aus dem Ausland (denn darauf läuft es hinaus), das ist nicht klar.  

Man kann nur weiter hoffen, dass es bald eine Neuregulierung gibt. Der Staatsvertrag kann sich keinesfalls weiterhin hinter der Aussage, er schütze die Bürger vor Spielsucht, verstecken, denn wie die Lischer-Studie zeigt, hat das wenig mit dem Online-Faktor zu tun. Wenn das Online Casino verboten ist, dann muss es auch die Spielhalle sein, und dann müssen wir auch die Casinos und Spielbanken in Dortmund, Aachen, Berlin, Hamburg, Thüringen und wo sie alle stehen, schliessen. Konsequenz muss sein. Und dann, verehrte deutsche Schildbürger, wohin geht ihr dann zum Spielen?

 

 

 

 

 

 

 

 

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