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Supergau: Nein zu den Neuerungen bei der Jodtablettenverordnung

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Der Vorschlag des Bundes zur Jodtablettenverordnung sieht vor, dass Jodtabletten auch in der Zone 3, im Umkreis von 100 Kilometern um ein Kernkraftwerk, vorverteilt werden sollen. Das entspricht dem Vorgehen in den näheren Zonen 1 und 2. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau lehnt diese Neuerungen ab, wie er in seiner Vernehmlassungsantwort an den Bund schreibt.

Jodtabletten dienen der Schilddrüsenprophylaxe bei einem schweren Kernkraftwerkunfall mit Austritt von Radioaktivität. Rechtzeitig eingenommen verhindern sie, dass sich über die Atemluft eingenommenes radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Jodtabletten wurden im Jahr 2004 in den Zonen 1 und 2 (bis zu einem Umkreis von 20 Kilometern um die schweizerischen Kernkraftwerke) an alle Haushaltungen, Betriebe, Schulen, Verwaltungen und weitere Einrichtungen abgegeben. In der Zone 3 wurden die Jodtabletten in den Kantonen dezentral verteilt und eingelagert. Die Kantone in dieser Zone müssen in der Lage sein, die Tabletten innerhalb von zwölf Stunden an die Bevölkerung abzugeben.

In der neuen Regelung sollen in den Gebieten der Zone 3, wo der Kanton nicht in der Lage ist, die Jodtabletten in der geforderten Zeit zu verteilen, die Tabletten an die Bevölkerung abgegeben werden. Dazu äussert der Regierungsrat grundsätzliche Bedenken, vor allem bezüglich der Lagerung der Jodtabletten in privaten Haushalten. Die verteilten Tabletten würden in den Haushalten teilweise unter unkontrollierten Bedingungen aufbewahrt. Ausserdem förderten eine feuchte und zu warme Lagerung die Ausscheidung von elementarem Jod, was zur Zersetzung der Tabletten führe. Auch müsse angenommen werden, dass im Ereignisfall die Tabletten in gewissen Haushalten nicht mehr auffindbar seien. Die Versorgung solcher Haushalte mit den Jodtabletten schaffe zusätzliche Probleme. Seiner Ansicht nach ist es den Kantonen zumutbar, die Jodtabletten in einem Ernstfall in der Zone 3 zeitgerecht zu verteilen. Aus allen diesen Gründen lehnt er die Anpassungen der Jodtablettenverordnung ab.

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