Guttenberg-Debatte: Deutschland schwer beschädigt
Auf die heutige Debatte um den Kriegsminister Guttenberg passt eigentlich nur ein Zitat des italienischen Schriftstellers Claudio Michele Mancini."Keine noch so gefährliche chemische Substanz ist in der Lage, das Leben des eigenen Volkes nachhaltiger zu vergiften, als das Vokabular starrköpfiger Politiker!"
Die Worte aus den Mündern von Politikern der CDU/CSU und FDP klangen wie eine Verhöhnung der Werte des deutschen Volkes. Anstand, Verantwortung, Redlichkeit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit sind nur noch inhaltslose Worte, die nur noch dazu taugen das Wahlvolk zu hintergehen und ihm etwas vorzugaukeln was nicht existent ist.
Guttenbergs Verteidigungsstrategie scheiterte und verkam zu einer kläglichen Selbstinszenierung der es an allem mangelte was das Volk hören wollte. Er trat auf in einem Büssergewand das aus Populismus gestrickt war und wirkte so unglaubwürdig wie selten zuvor. Nur seinen angeborenen Hochmut, der alle noch so schauspielerisch glänzend vorgetragenen leeren Worthülsen überlagerte, verlor er zu keiner Sekunde.
Der Innen- und aussenpolitische Schaden, für den allein die Regierungsparteien verantwortlich zeichnen wird nachhaltig sein und macht Deutschland zu einem international unzuverlässigen Partner. Ein Regierung die Lügen, Täuschung, Vorsatz und Vertuschungen eines Ministers als Kavaliersdelikt abtut, disqualifiziert sich in ihrem Anspruch für ein Volk sprechen zu dürfen. Der Unterschied zu den stürzenden Despoten in den arabischen Staaten verschwindet täglich immer mehr.
Von Guttenberg hat den Rückhalt in der Bevölkerung längst verloren, steht ziemlich isoliert da und lebt nur noch von unglaubwürdigen Umfragewerten. Guttenberg glaubt er sei der beliebteste Politiker in Deutschland, deshalb will er auch seinen vielen Anhängern einen Rücktritt nicht zumuten. Damit argumentiert er wie zur Zeit Gaddafi. Der sagte vor kurzem: "Ich trete nicht zurück, denn mein ganzes Volk liebt mich". Sollte diese Fehleinschätzung Guttenbergs auch ein weiteres Zeichen für seine Wahrnehmungsstörungen sein unter denen er augenscheinlich leidet ?
Die Selbstdemontage der Regierungsparteien schreitet, wie am Beispiel Hamburg zu sehen war, ständig voran. Die Affäre um den Kriegsminister führte nicht nur zu einem weiteren Einbruch in der Wahlbeteiligung von 2008 63,5 Prozent und zuletzt auf 57,8 % und einem Verlust von 20, 7 % an Stimmen, sondern ist auch ein Spiegel für den nachhaltigen Schaden den das Klammern an von Guttenberg verursacht.
Besonders schmerzvoll muss die Affäre um den Freiherrn für die CSU sein. Die "kleine Leute " Partei ist in ihren Grundfesten erschüttert. Wie will Parteivorsitzender Horst Seehofer den Wählern noch in die Augen sehen ohne vor Scham im Boden zu versinken? Gerade für Bayern, Franken, Pfälzer und Schwaben, die mehr noch als Andere in ihren Traditionen verwurzelt sind und Anstand und Ehrlichkeit sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, ist der Freiherr zum Fluch geworden denn der feine Herr ist einer von ihnen. Seehofer sollte im Interesse der CSU-Wähler nicht nur über Rücktrittsforderungen nachdenken, sondern auch den Parteiausschluss Guttenbergs ernsthaft in Betracht ziehen bevor es die ganze Partei nachhaltig erwischt.
CDU/CSU und FDP werden in diesem Jahr nicht nur in der Hansestadt mit einem dramatischen Verlust von Wählerstimmen abgewatscht. Darüber können auch ca. 300.000 Facebook-Guttenberg-Unterstützer nicht hinwegtäuschen, mit denen kann man vielleicht Hype erzeugen aber keine Wahl gewinnen kann.
Heute war ein schwarzer Tag für Deutschlands Politik. Den Bürgern wurde aufgezeigt wie weit der moralische Verfall von deutschen Werten und Tugenden schon vorangeschritten ist und wie sehr es den Politikern aller Parteien an Demut vor dem Souverän mangelt.
Bild - Leserin beschwert sich über den Rücktritt
Guttenberg: Jetzt auch noch Titelmissbrauch
Die Sendung mit dem Klaus: Thema Guttenberg
Schon als Wirtschaftsminister hoch gestapelt
Zitat
Angela Merkel am 26.04.2008 zum Tag des geistigen Eigentums: "Der Diebstahl geistigen Eigentums ist kein Bagatelldelikt".



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