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Trauma nach DDR-Folter

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180.000 Menschen wurden in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert. Unter den Folgen der oft menschenunwürdigen Behandlung durch die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland)leiden auch heute noch viele, haben Forscher jüngst am Kongress "Folgen der interpersonellen Gewalt"gezeigt.

"Viele der Betroffenen suchen noch immer verzweifelt nach Gerechtigkeit und vergrößern ihr Leid dadurch nur weiter", berichtet der Züricher Psychopathologe Andreas Maercker. Maercker untersuchte 146 ehemalige politische DDR-Häftlinge. Die meisten waren damals wegen Ausreiseanträgen in den Westen, Kritik an Arbeitsbedingungen, Streik- und Protestteilnahme oder aufgrund politischer Witze inhaftiert worden. In der Realität hatte das mehrere Monate Stasi-Haft, dann normaler Regelvollzug unter oft folterähnlichen Bedingungen wie Einzel- und Dunkelhaft, Strafarbeiten und Schlafentzug zur Folge sowie auch Bespitzelung und Rufmord nach der Entlassung. Obwohl die traumatischen Erlebnisse Jahrzehnte zurücklagen, begleiteten sie die meisten Untersuchten weiterhin im Alltag.

30 Prozent der politisch Inhaftierten können mit der Vergangenheit nicht abschließen, schätzt Maercker. "Vielen drängen sich die Bilder der Folter wieder auf, der Geruch des Gefängnisses ist da und sie hören Befehle von einst. Oft sind Betroffene ständig übererregt, als ob sie zehn Tassen Kaffee getrunken hätten, oder sie spüren den Herzschlag bis zum Hals. Manche haben regelrechte Flashbacks, die sie etwa im eigenen Keller wieder in die Vergangenheit versetzen, und viele meiden bestimmte Situationen und Orte wie etwa Menschenmassen", so der Experte. Allesamt sind dies typische Zeichen der Posttraumatischen Belastung (PTBS).

Versöhnung oder Abkoppelung nötig

Ein wichtiger Faktor, der diese Störung chronisch macht oder dazu führt, dass sie sich überhaupt erst nach vielen Jahren bilden oder verstärken kann, ist die fehlende seelische Bewältigung. Grübelei und Fixiertheit von Gedanken und Gefühlen steigern sich bei vielen zum Wunsch nach Rache und Vergeltung für die erlebten Misshandlungen. "Viele wollen die Täter leiden sehen, wünschen ihnen Gefängnis und Folter oder versuchen selbst Gerechtigkeit zu schaffen - und enden in Verbitterung", erklärt Maercker.

Deutschland könnte diese Bürde noch lange tragen: US-Untersuchungen bei Vietnam-Veteranen zeigen, dass PTBS-Betroffene besonders oft von Altersdepression, Demenz und Alterssuizid betroffen sind. Spezialisierte Ansätze zur Versöhnung oder zumindest Abkopplung gibt es - Maercker nennt die kognitive Verhaltenstherapie und die Augenbewegungs-Desensibilisierungstherapie. In der Realität war Betroffenen der Zugang zu Therapie bisher oft verwehrt. "Im Westen hatten Therapeuten keine Ahnung von DDR-Verhältnissen und im Osten verhinderte das Misstrauen jede Gruppentherapie." Viele flüchteten in den Alkoholismus, viele begingen Suizid.

Anerkennung noch ausständig

Damit eine Besserung eintritt, muss sich auch die Gesellschaft wandeln, so der Experte. Anders als etwa für die Überlebenden der 9/11-Katastrophe gab es für SED-Opfer kaum öffentliche Anerkennung für das erlittene Unrecht. "Die meisten blieben auch nach der Wende Außenseiter, die sich rechtfertigen mussten und gezwungen waren, ihr Leid zu bagatellisieren." Von öffentlichem Dank, der sie einzeln als Person erreichte, konnten die Betroffenen selbst beim jüngsten Mauerbau-Gedenken nur träumen. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft, betont der Mediziner: "Große Metaanalysen zeigen bisher, dass das Verhalten des sozialen Umfelds die Fähigkeit zur Verarbeitung der Vergangenheit enorm beeinflusst.

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