Schweizer Staatsbürgerschaft begehrt
Die Zahl der Einbürgerungen nimmt im Kanton Zürich seit Beginn der 1990er-Jahre kontinuierlich zu. 2009 erwarben 11'600 Personen das Schweizer Bürgerrecht, fast viermal mehr als noch 1994.
Die wichtigsten Herkunftsländer der Eingebürgerten waren in den vergangenen Jahren – neben Italien – die Nachfolgestaaten Jugoslawiens und die Türkei, ihre Bedeutung nimmt aber ab. In jüngster Zeit erwerben auch immer mehr Deutsche den Schweizer Pass, da Berlin seit 2007 die Doppelbürgerschaft erlaubt. Dies zeigt die neueste Publikation des Statistischen Amts.
Nachdem 1994 nur 3'100 ausländische Staatsangehörige mit Zürcher Wohnsitz den Schweizer Pass erhalten hatten, waren es 2009 mit 11'600 deutlich mehr. Der wichtigste Grund für den Anstieg der Einbürgerungszahlen liegt darin, dass immer mehr ausländische Staatsangehörige die Kriterien für eine Einbürgerung erfüllen: Sie sind in der Schweiz aufgewachsen, leben schon lange im Land oder sind mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet. Weitere Gründe sind zwei Gesetzesänderungen, die einerseits die erleichterte Einbürgerung für Familienmitglieder und das Doppelbürgerrecht einführten (1992), andererseits die einkommens- und vermögensabhängige Einbürgerungsgebühr abschafften und durch eine kostendeckende Gebühr ersetzten (2006).
Vier von fünf Eingebürgerten stammen aus einem europäischen Land. In den Jahren 1994 bis 2009 stammten jeweils etwa vier von fünf neuen Schweizer Bürgerinnen und Bürgern aus Europa. Bis 2006 ist die Zahl der Eingebürgerten aus europäischen Staaten, die nicht der Europäischen Union oder der EFTA angehören, stark angestiegen, von 800 auf 6’800, jene aus den heutigen EU/EFTA-Staaten verblieb hingegen stets zwischen 1'600 und 2’500. Das hat sich in den letzten paar Jahren geändert: Die Zahl der Eingebürgerten aus EU/EFTA-Staaten ist bis 2009 auf 3’900 angestiegen, jene aus dem übrigen Europa hingegen auf 5'000 gesunken. Die Zahl der Eingebürgerten aus nicht-europäischen Ländern ist im Zeitraum 1994 bis 2009 kontinuierlich von 700 auf 2'600 angestiegen.
Region Südosteuropa verliert an Bedeutung
In den vergangenen 16 Jahren sind im Kanton Zürich insgesamt fast 118'000 Menschen aus über 130 verschiedenen Ländern eingebürgert worden, drei Viertel davon stammten aber aus nur acht Ländern. Mit Abstand wichtigstes Herkunftsland war Serbien, vor Italien und der Türkei, dahinter folgten Mazedonien, Kroatien, Deutschland, Bosnien-Herzegowina und Sri Lanka. Seit 2007 verliert die Region Südosteuropa allerdings an Bedeutung, da die Bestandeszahlen dieser Länder im Kanton Zürich rückläufig sind. Seit Deutschland das Doppelbürgerrecht erlaubt, erwerben immer mehr Deutsche den Schweizer Pass. 2009 avancierte Deutschland bereits zum zweitwichtigsten Herkunftsland, hinter Serbien und vor Italien.
Niedrige Einbürgerungsneigung für Personen aus EU-Ländern
Die steigende Anzahl Einbürgerungen ist nicht nur durch die zunehmende Zahl von einbürgerbaren, d.h. die Mindestvoraussetzungen erfüllenden Personen zu erklären, sondern auch durch ein wachsendes Interesse an einer Schweizer Staatsbürgerschaft. Bei der Nachfrage nach dem Schweizer Pass bestehen aber deutliche Unterschiede zwischen den Nationalitätengruppen. EU-Bürgerinnen und Bürger erwerben – gemessen an ihrer Bevölkerungszahl im Kanton Zürich – eher selten den Schweizer Pass. Für sie ist der Nutzen einer Einbürgerung weniger gross als für andere. Ein weiterer Grund ist, dass einige EU-Länder kein Doppelbürgerrecht zulassen. Häufig lassen sich hingegen etwa Personen aus Sri Lanka oder aus dem Balkan einbürgern, da sie mit dem Erwerb des Schweizer Passes gesellschaftlich und rechtlich besser gestellt sind und sie meist keine Rückkehr ins Heimatland planen.
Einheimische Bevölkerung wächst dank Einbürgerungen
Ohne Einbürgerungen hätte die schweizerische Bevölkerung in den letzten Jahren abgenommen. Denn der jährliche Saldo der einheimischen Bevölkerung aus Geburten, Sterbefällen, Zuwanderungen und Wegwanderungen ist meist negativ. Erst seit kurzem trägt auch ein leichter Geburtenüberschuss zum Wachstum der Schweizer Bevölkerung bei. Die ausländische Bevölkerung weist durch die Einbürgerungen jedes Jahr bedeutende Abgänge auf. Diese Abgänge werden aber durch Geburtenüberschüsse und besonders durch einen positiven Wanderungssaldo mehr als kompensiert.



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