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Mit Mehrfamilienhäusern der Zersiedlung entgegenwirken

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Was klingt wie die Quadratur des Kreises, ist umsetzbar: Ein interdisziplinäres Team der Hochschule Luzern unter der Leitung der Architektin Amelie-Theres Mayer zeigt, dass Mehrfamilienhäuser mit Einfamilienhausqualitäten gebaut werden können. Damit kann nicht nur Boden eingespart, sondern Eigentümern und Mietern eine echte Alternative zum Einfamilienhaus geboten werden.

Den Traum vom eigenen Häuschen im Grünen haben viele Schweizerinnen und Schweizer – und immer mehr können ihn auch realisieren. Während der Anteil an Einfamilienhäusern am nationalen Gebäudebestand 1970 noch bei 40 Prozent lag, machte er 30 Jahre später bereits 56 Prozent aus. Und von den Liegenschaften, die seit dem Jahr 2000 gebaut wurden, sind fast drei Viertel Einfamilienhäuser.

«Einfamilienhäuser verbrauchen viel Bodenfläche, die aber nur von wenigen Personen genutzt wird. Sie haben an der Zersiedelung der Schweizer Landschaft deshalb einen wesentlichen Anteil», sagt Amelie- Theres Mayer vom Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern. Sie leitete das vom Bund finanzierte Forschungsprojekt «EFH/MFH – Transfer der Wohnqualitäten vom Einfamilienhaus auf das Mehrfamilienhaus». Dieses hatte zum Ziel, Mehrfamilienhäuser zu entwerfen, die ihren Bewohnern ebensoviel Wohnqualität wie ein Einfamilienhaus bieten.

Gegen die Zersiedelung kämpfen Bund, Städte und Gemeinden gleichermassen, doch zuweilen mit stumpfen Waffen. Beispielsweise müssen kantonale Raumplanungsbehörden kommunale Ortsplanungen zwar genehmigen, aber tiefgreifende Korrekturen würden zu sehr in die Gemeindeautonomie eingreifen. Kommt hinzu, dass sich die Menschen nicht allein mit dem Argument der Ökologie von ihrem Traum, im eigenen Haus zu wohnen, abbringen lassen. «Das Wohnen im Mehrfamilienhaus muss attraktiv sein und die gleichen Qualitäten bieten, die Menschen bei Einfamilienhäusern suchen. So wird ein Anreiz geschaffen, dass sich Menschen für das Mehrfamilienhaus statt für das Einfamilienhaus entscheiden», sagt Amelie-Theres Mayer.

Grosszügige Grundrisse, individuelle Hauseingänge und private Aussenräume

Welche Qualitäten das sind, eruierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über eine Befragung von Einfamilienhausbewohnern. Das Resultat: Diese haben sich für diese Wohnform vor allem auf Grund räumlicher, sozialer und psychologischer Faktoren entschieden: beispielsweise «viel Wohnraum», «Aussenfläche für die private Nutzung» oder «Privatsphäre» und «Sicherheit». Das Forschungsteam untersuchte zudem bereits geplante oder gebaute Mehrfamilienhäuser spezifisch auf Einfamilienhausqualitäten. Auf Grundlage dieser Analysen wurden exemplarisch acht neue Mehrfamilienhaustypen entworfen. Diese verfügen unter anderem über grosszügige offene Wohnungsgrundrisse, individuelle Hauseingänge für die Wohnungen – das garantiert Privatsphäre – und Aussenräume, die nicht allen Hausbewohnern offen stehen.

Manche Entwürfe verlangen aber auch einegewisse Aufgeschlossenheit der Bewohner für unkonventionelle Lösungen, etwa wenn die Dächer von angrenzenden Garagen als private Gärten für die Bewohner oberer Stockwerke genutzt werden. Amelie- Theres Mayer betont, dass es sich bei den acht Typen nicht um Universallösungen handelt, sondern jeder Standort und jede Bauherrschaft stets nach einer individuellen Lösung verlangen. Die erarbeiteten Entwürfe seien individuell anpassbar.

Kommunikationsleitfaden für Anbieter

«Um die Zersiedelung zu stoppen, müssen Städte und Gemeinden Wohnraum vermehrt verdichtet bauen. Nun können sie gleichzeitig ein einfamilienhausähnliches Wohnklima schaffen. Das bedeutet eine Win-Win-Situation», sagt Projektpartner Christoph Ackeret, CEO der geoInfomapping ag in Zürich. Die Firma kann die Erkenntnisse des Projekts in der praktischen Arbeit gut gebrauchen: «Wenn wir in Zukunft Standortanalysen für neue Wohnprojekte durchführen, können wir jetzt konkrete und gleichwertige Alternativen zum Wohnen im Einfamilienhaus aufzeigen», so Ackeret.

Um Gemeinden, Bauherren oder Investoren dabei zu unterstützen, eine Klientel für die Mehrfamilienhäuser mit Einfamilienhausqualitäten zu gewinnen, hat das Forschungsteam einen Kommunikationsleitfaden erstellt. Darin enthalten sind ein Argumentarium, eine Vorstellung von ausgewählten Mehrfamilienhaustypen sowie Beispiele bereits bestehender oder geplanter Mehrfamilienhäuser.

Der Kommunikationsleitfaden, die Planungsempfehlungen und das Indikatoren-System für Planende und Anbieter aus der Bau- und Immobilienbranche können ab Mitte Juli als PDF gratis bezogen werden bei: amelie theres.mayer@hslu.ch

Weitere Informationen: www.hslu.ch/cctp

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