Stabile Verhältnisse in der Aargauer Sozialhilfe
Trotz IV-Revision und Meldungen zur Wirtschaftskrise ist die Sozialhilfequote im Aargau konstant. Auch die Zusammensetzung der Sozialhilfeempfangenden ändert sich gegenüber dem Vorjahr kaum.
Sozialhilfequote unverändert bei 1,9 Prozent
Im Jahr 2010 wurden 11'365 Personen mit Sozialhilfe unterstützt. Das sind nur 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr (11'182). Die Sozialhilfequote, also der Anteil der unterstützten Personen an der Bevölkerung, ist mit 1,9 Prozent seit drei Jahren unverändert.
Junge nach wie vor besonders oft unterstützt
Die Kinder, die mit wenigen Ausnahmen im Rahmen der Familie unterstützt werden, machen knapp 30 Prozent der Personen aus. Sie haben mit 2,6 Prozent die höchste Sozialhilfequote aller Altersgruppen. Die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren machen 12 Prozent der Sozialhilfeempfangenden aus. Der Anteil der Altersgruppen ab 46 Jahren nimmt wie schon in den Vorjahren weiter zu. Deren Sozialhilfequoten liegen aber immer noch im oder deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt. 46 Prozent der unterstützten Personen sind ausländischer Nationalität. Berücksichtigt man das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, werden ausländische Einwohnerinnen und Einwohner drei mal häufiger unterstützt als Schweizerinnen und Schweizer. Bei den unterstützten Haushalten stellen die Ein-Personen-Fälle mit knapp 60 Prozent die mit Abstand grösste Gruppe. Ihr Anteil nimmt zudem leicht zu. Die Alleinerziehenden machen gut einen Fünftel der unterstützten Haushalte aus.
Erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt
Der Anteil der Erwerbstätigen in der Sozialhilfe geht zurück auf unter einen Viertel. Umgekehrt nimmt der Anteil der Erwerbslosen zu. Aktuell beträgt er einen Drittel. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Fälle ab, bei denen eine Verbesserung der Erwerbssituation zur Einstellung der Sozialhilfe führt. Beides sind Hinweise dafür, dass Sozialhilfeempfangenden der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert ist. Wie bereits im Vorjahr arbeitet gut ein Viertel der erwerbstätigen Sozialhilfeempfangenden in sogenannt prekären Arbeitsverhältnissen, also befristet, auf Abruf oder in Gelegenheitsjobs.
Regionale Unterschiede aus strukturellen Gründen
Die Sozialhilfequoten wie auch deren Entwicklung zeigen deutliche regionale Unterschiede. Die Sozialhilfequoten variieren zwischen 1,1 Prozent im Bezirk Muri und 2,4 Prozent im Bezirk Aarau. Sozialhilfequoten über dem Kantonsdurchschnitt haben auch die Zentrumsbezirke Baden (2,1 Prozent) und Zofingen (2,3 Prozent) sowie der Bezirk Kulm (2,1 Prozent). Dieser verzeichnet zusammen mit den Bezirken Rheinfelden und Muri zwischen 2009 und 2010 auch die grössten Zunahmen von Unterstützungen. Die Bezirke Bremgarten, Brugg und Zurzach hingegen melden weniger Sozialhilfeunterstützungen als 2009.
1'612 Alimente bevorschusst
In 1'612 Fällen mussten ausstehende Unterhaltsbeiträge bevorschusst werden. Diese Alimentenbevorschussungen kamen 3'755 Personen zugute. Davon waren 2'112 Kinder. Knapp ein Drittel der betroffenen Haushalte erhält gleichzeitig Sozialhilfe. Elternschaftsbeihilfen erhielten gemäss den Angaben der Sozialdienste 271 Familien. Die Publikation zur Sozialhilfestatistik 2010 mit detaillierten Resultaten und Illustrationen zum Aargau erscheint im Frühjahr 2012.



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