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Höhenflug des Schweizer Franken - was bedeutet das?

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Schweizer, die direkt an der Grenze leben, freuen sich über den massiven Wertgewinn des Schweizer Franken. Immerhin können sie bequem über die Grenze fahren und in Deutschland oder Frankreich zu den dortigen Preisen einkaufen und dabei deutliche Beträge sparen. Die Kehrseite dieser Medaille erleben jedoch Händler in der Schweiz - und gerade in den Grenzgebieten. Denn ihre Kunden kaufen nun lieber im Ausland ein, wo sie deutlich geringere Kosten haben. Und auch der Export von Waren steht unter dem Stern des Schweizer Franken, wird aber für die Importeure deutlich teurer. Das kann zum Einbruch der Exporte bei zugleich steigenden Importzahlen führen. Aber ist das wirklich so? Was bedeutet der wertige Schweizer Franken für die Schweiz insgesamt? Dieser Artikel schaut sich das Thema einmal an.

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Wirtschaftliche Risiken

Eine im Vergleich zum Dollar oder Euro sehr starke Währung birgt nahezu für jedes Land Risiken. Besonders hart kann dieser Umstand aber für die Länder sein, die allgemein auf ein großes Exportgeschäft angewiesen sind. Und genau unter diese Länder fällt die Schweiz. Im vergangenen Jahr wurden für rund 295 Milliarden Schweizer Franken Waren exportiert. Die Exporte belaufen sich überwiegend auf pharmazeutische Produkte, Edelmetalle und Edelsteine sowie auf Uhren und Präzisionsinstrumente. An dieser Stelle wird auch ein Problem des hohen Frankenwerts ersichtlich. Die Exporte sanken nämlich im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent. Und warum ist ein starker Franken ein Problem? Ein Überblick:

-      Preisanstieg - da die Exporte oft in Dollar oder Euro gehandelt und bezahlt werden, steigen für ausländische Besteller die Preise.

-      Konkurrenz - steigen die Preise durch den starken Schweizer Franken, sinkt in einigen Bereichen die Konkurrenzfähigkeit der Exporteure.

-      Geringere Nachfrage - gerade in grenznahen Gebieten sinkt die Nachfrage nach Produkten rapide.

-      Tourismus - ein enorm wichtiger Wirtschaftszweig für die Schweiz ist der Tourismus. Auf diesen wirkt sich der Höhenflug besonders deutlich aus, da Touristen aus Kostengründen wahlweise ein anderes Reiseziel bevorzugen, oder aber, sie halten ihr Geld während des Aufenthalts zusammen.

Günstige Importe

Für Schweizer Unternehmer, die auf das Importgeschäft angewiesen sind, ist der gute Kurs des Schweizer Franken freilich ein Vorteil. Denn während für das Ausland Schweizer Produkte teurer werden, so werden für Schweizer die ausländischen Produkte günstiger. Das ist für Betriebe, die Rohstoffe, Teile oder andere Materialien importieren, natürlich ein großer Vorteil. Einzig auf den Binnenmarkt wirkt sich dieser Faktor nicht unbedingt positiv aus, denn das Internet ist weiterhin vorhanden, und wenn Unternehmen bei der Einfuhr von Waren sparen, dann können Bürger das auch:

-      Grenznahe Gebiete - Grenzbewohner haben mit den größten Vorteil. Sie müssen nicht die örtlichen Preise in der Schweiz akzeptieren, sondern können für alltägliche Einkäufe ins Nachbarland fahren und dort zu den landesüblichen Preisen einkaufen. Diese Vorgehensweise stärkt den Einzelhandel im Ausland, schwächt aber die Ladenbesitzer im Schweizer Grenzgebiet.

-      Onlineshopping - das Internet kennt keine Grenzen, dafür aber verschiedene Währungen. Viele Bürger der Schweiz kaufen regelmäßig Produkte über das Internet ein und wissen auch hier, den Schweizer Franken zu nutzen. Gerade hochpreisige Güter werden aufgrund des Sparpotenzials nicht im örtlichen Geschäft, sondern online gekauft.

-      Geldanlagen - eine andere Möglichkeit, den Schweizer Franken positiv zu nutzen, ist der Erwerb von Immobilien im Ausland. Da auch hier wieder mit dem Euro oder Dollar gezahlt wird, ist der Kaufpreis eines Grundstücks günstiger. Wird die Immobilie nun vermietet, kann sie eine gute Rendite bringen. Hier ist aber darauf zu achten, welchen Wert die Immobilie in Zukunft haben wird und ob in der gewählten Region eine Nachfrage an Mietwohnungen herrscht.

Hinweis: Einen Sonderfall stellen Online-Casinos dar. Zwar könnten Spieler bei ausländischen Online-Casinos mit einem starken Schweizer Franken auch günstiger spielen. Aber es gibt heute sogar online Casinos mit Schweizer Franken. Hier wird ein Großteil der Einnahmen später guten Zwecken zugeführt.

Weitere Auswirkungen

Viele Auswirkungen eines besonders starken Kurses fallen Schweizern selbst nur indirekt auf. Der gewöhnliche Bürger handelt natürlich weiterhin so, wie er es gewohnt ist, und kauft zumeist auch im üblichen Rahmen online ein. Händler in Gebieten mit hoher Touristendichte hingegen können die Auswirkungen an der Zahlungsbereitschaft von Besuchern ausmachen. Sie überlegen doch, ob sie ein teureres Gericht im Restaurant zu sich nehmen oder ob sie aus dem Urlaub mehr als ein Souvenir mitbringen. Aber gibt es nicht doch weitere Auswirkungen? Ein Überblick:

-      Kreditwirtschaft - dieser Bereich wird massiv von einer starken Währung beeinflusst. Gerade ausländische Kreditinteressierte weichen vor der Währung zurück, da die Kosten enorm ansteigen. Diejenigen, die vor dem Kursanstieg einen Schweizer Kredit gewählt haben, müssen angesichts des hohen Wertes kämpfen, die Kosten zu bezahlen. Gerade Hausbaukredite aus der Schweiz sind ein Problem und können mitunter nicht mehr zurückgezahlt werden.

-      Hauskauf - wer in der Schweiz ein Eigenheim kaufen oder bauen möchte, leidet wiederum unter einem starken Franken, da hier die Kosten durch den hohen Wert nochmals steigen.

-      Private Geldanlage - hier kommt Schweizer Bürgern der gute Franken zugute. Es ist immer ratsam, in den Schweizer Franken zu investieren, da er allgemein als sehr stabile und starke Währung gilt.

-      Aktien - Anleger können auch in Aktien Schweizer Unternehmen investieren. Hier lohnen sich übrigens die Betriebe, die die Dividenden auf Kapitaleinlagereserven ausschütten. Auf diese Form von Dividendeneinnahmen wird keine Einkommenssteuer fällig.

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass eine aktuell starke Währung auch wieder abfallen kann - oder durch die wichtigen Vergleichswährungen abgeschwächt wird, indem diese einen deutlichen Zuwachs erfahren. Gerade aus diesem Grund sollten langfristige Anschaffungen, die auf Kredite beruhen, nicht allein aufgrund einer Währung entschieden werden. Auf der anderen Seite ist es natürlich sinnvoll, Anschaffungen, die per Einmalzahlung beglichen werden, zu einem möglichst günstigen Kurs im Ausland zu kaufen. Doch Vorsicht: Hier wird unter Umständen Einfuhrsteuer fällig.

Fazit - gut für den Import, schlecht für den Export

Ein besonders starker Schweizer Franken ist gewiss ein Grund zur Freude: für diejenigen, die im Ausland einkaufen oder die gerne online shoppen. Doch birgt ein länger anhaltender Höhenflug auch die Gefahr, dass die Landeswirtschaft enorm geschwächt wird, weil sie schlichtweg nicht mit den Preisen der Konkurrenz mithalten kann. Problematisch ist die starke Landeswährung stets für die Tourismusbranche und all die Betriebe, die mit ihr im Zusammenhang stehen.

 

Bild: @ GinaSanders

 

 

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