Ungleiche Mobilität unter Studierenden
Mindestens 20 Prozent der Studierenden sollen während ihres Studiums mobil sein – so das Ziel, das die 46 Bildungsminister des europäischen Hochschulraums bis zum Jahr 2020 erreichen wollen. Wie ist die Situation in der Schweiz?
Eine neue Publikation des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt, dass die Schweiz diese Quote unter den Studierenden, die 2008 einen Master, ein Diplom oder ein Lizenziat einer universitären Hochschule erhalten haben, knapp erreicht (20,9%). Werden jedoch auch die Personen mit Bachelorabschluss einbezogen, sinkt die Quote an universitären Hochschulen auf 15,7 Prozent und an Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen auf 7,0 Prozent.
An den universitären Hochschulen ist die Mobilität der Inhaberinnen und Inhaber eines Bachelor- oder eines Masterabschlusses in Wirtschaftswissenschaften (19,1%), Technischen Wissenschaften (19,8%) sowie Geistes- und Sozialwissenschaften (19,2%) beinahe doppelt so hoch wie bei ihren Kolleginnen und Kollegen der anderen Fachbereichsgruppen, deren Mobilitätsrate 11 Prozent nicht übersteigt.Demnach haben nicht alle Studierenden dieselbe Disponibilität, während des Studiums einen Auslandaufenthalt zu machen.
Kein einheitlicher Zugang zur Mobilität
Nebst den Unterschieden nach Fachbereichsgruppe gibt es auch Faktoren, welche die Mobilität der Studierenden bremsen, wie das Ausüben einer Erwerbstätigkeit mit einem Beschäftigungsgrad von über 30 Prozent, das zunehmende Alter oder das Zusammenleben mit einer Partnerin bzw. einem Partner. Zudem beabsichtigen 55,0 Prozent der Studierenden, deren Eltern keinen Hochschulabschluss aufweisen, keinen Auslandaufenthalt, gegenüber lediglich 41,3 Prozent bei den Studierenden, deren Eltern einen Hochschulabschluss besitzen.
Unter den Studierenden, die keinen Studienaufenthalt im Ausland absolviert haben, wurden die zusätzlichen Kosten am häufigsten als Hinderungsgrund genannt (49,8%). Danach folgen das Risiko,dass sich das Studium verlängert (29,7%), sowie der zeitliche Aufwand für die Organisation eines Auslandaufenthaltes (29,0%). Rund ein Sechstel der Studierenden (16,9%) erklärte ausserdem, dass ein Mobilitätsaufenthalt nicht mit dem Studiengang zu vereinbaren sei.
Unterschiedliche Mobilität
60,7 Prozent der Studierenden, die einen Studienaufenthalt im Ausland absolvieren, nutzen «Erasmus», das beliebteste Austauschprogramm. An zweiter Stelle folgen die bi- oder trilateralen Austauschabkommen der Hochschulen (16,9%) und die gemeinsamen Programme (2,4%).
Lediglich 14,5 Prozent der Studierenden organisieren ihren Mobilitätsaufenthalt selber (Freemover). Freemover haben oft das Problem, dass die Leistungen, die sie während ihres Aufenthaltes erbracht haben (ECTS-Kreditpunkte), nicht anerkannt werden. Ein Drittel der Freemover (32,5%) gab an, dass die Hochschule die erworbenen Leistungen nicht anrechnete. Für «Erasmus»-Studentinnen und -Studenten sieht die Situation besser aus: 75,6 Prozent gaben an, dass mindestens drei Viertel der ECTS-Kreditpunkte angerechnet wurden.
Zwischen 2005 und 2009 sind die Destinationen für Studienaufenthalte vielfältiger geworden. Der Anteil Studierende, die ihren Aufenthalt in einem Nachbarland (Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich) verbringen, ist von 40,9 Prozent auf 34,7 Prozent zurückgegangen, während die Aufenthalte in Asien und in englischsprachigen Ländern (Vereinigte Staaten, Kanada, Australien/Neuseeland) von 14,7 Prozent auf 24,2 Prozent zugenommen haben.
Die Schweiz im europäischen Vergleich
In den meisten europäischen Ländern – inklusive der Schweiz – stellt das «Erasmus»-Programm den wichtigsten Zugang zur Mobilität dar. Die Schweiz unterscheidet sich jedoch durch die Hauptfinanzierungsquelle für den Auslandaufenthalt. Bei mehr als 60 Prozent der Schweizer Studierenden ist dies die Familie. Diese besondere Situation gibt es sonst nur noch in zwei anderen europäischen Ländern, nämlich in Portugal und in Italien. In der Schweiz erhalten lediglich 8,3 Prozent der Studierenden Studienförderungsbeiträge, um ihren Studienaufenthalt finanzieren zu können. In allen anderen europäischen Ländern liegt dieser Anteil bei über 10 Prozent.
Des Weiteren unterscheiden sich die Schweizer Studierenden durch ihre sprachlichen Kompetenzen. 36,4 Prozent unter ihnen verfügen über gute Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen, womit die Schweiz zur Spitzengruppe der europäischen Länder gehört.



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