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Solarstrompreise für Privatkunden auf Rekordtief

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Solarstrom ist in der Schweiz mittlerweile für die breite Bevölkerung erschwinglich. Zwar müssen Privathaushalte den Standardstrom stets beim lokalen Anbieter beziehen. Den Strom aus erneuerbarer Energie dürfen sie bei einem beliebigen Anbieter dazu kaufen. Für 103.60 Franken Mehrkosten im Jahr kann ein Zweipersonen-Haushalt seinen Stromverbrauch komplett auf Solarstrom umstellen. Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch und myNewEnergy haben die günstigsten Anbieter zusammengestellt.

In den letzten Jahren sind die Aufpreise für Solarstrom auf dem Schweizer Markt stark gefallen. 2013 war das günstigste Solarstromprodukt noch für 20 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) zu haben. Neu bietet laut Analysen des Comparis-Partnerservices myNewEnergy der Anbieter EnergieZukunftSchweiz mit 3.7 Rappen pro kWh den niedrigsten Solarstrompreis, der für Privatpersonen – Hausbesitzer wie Mieter – in der Schweiz allgemein verfügbar ist. Dieser Aufpreis von 3.7 Rappen pro kWh auf den Standardstrom bedeutet für einen Haushalt mit zwei Personen und rund 2800 kWh Verbrauch Mehrkosten von lediglich 103.60 Franken pro Jahr gegenüber einem herkömmlichen Stromprodukt.

Solarstrompreise um rund 80 Prozent gesunken

«Viele Konsumenten glauben immer noch, dass Solarstrom sehr teuer ist», sagt Comparis-Sprecher Felix Schneuwly. «Die energiepolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für erneuerbare Energien hat die Strombranche in den letzten Jahren massiv verändert. Wer erneuerbare Energie nutzen will, der muss deshalb nicht mehr so tief in die Tasche greifen wie noch vor ein paar Jahren.»

Während die Solarstrompreise seit 2013 um mehr als 80 Prozent gesunken sind, verändern sich die Preise anderer Stromprodukte wenig. Für 2017 können die meisten Kunden von leicht sinkenden bis gleichbleibenden Stromkosten ausgehen. «Zwar kamen auch die Marktpreise anderer Stromprodukte unter Druck, aber da viele Energieversorger den Strom aus eigenen Werken liefern oder an langfristige Verträge gebunden sind, können sie den Kunden die tiefen Marktpreise nicht weitergeben», erklärt myNewEnergy-Geschäftsführerin Christina Marchand und weist darauf hin, dass Privathaushalte ihren Stromanbieter immer noch nicht frei wählen dürfen, ihre Marktmacht also nicht ausspielen können.

Riesige Preisunterschiede für Solarstrom bei den Anbietern


Die Preisdifferenzen für Solarstrom sind indes enorm. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot liegen mehr als 65 Rappen pro kWh. «Daher lohnt es sich, Preise zu vergleichen und allenfalls zu wechseln», so Comparis-Sprecher Schneuwly. «Zwar müssen Kunden den Standardstrom stets lokal beziehen, da der Markt noch nicht liberalisiert ist. Aber Strom aus erneuerbarer Energie wie Solarstrom kann jeder bei einem beliebigen Anbieter dazu kaufen. Das wissen viele Konsumenten schlicht nicht. Je nach dem lokalen Solarstrompreis können Kunden bei einem Wechsel bis zu 95 Prozent sparen.»

Christina Marchand erklärt: «Die teuren Solarstrompreise einiger Unternehmen beruhen meist auf frühen Investitionen in damals noch teure Solartechnik. Und die hohen Preise können wegen langfristiger Verträge mit den Besitzern nicht gesenkt werden. Da es sich meist aber um kleine Mengen handelt, sollte man die alten Anlagen abschreiben und neu attraktivere Solarprodukte anbieten.»

Privatinvestitionen in Solarpanels sind Hauptgrund für sinkenden Solarstrompreis

«Für den massiven Preisrutsch beim Solarstrom gibt es mehrere Gründe», weiss Christina Marchand. «Aufgrund der massiven Investitionen in die Solartechnologie im Ausland wurden Solarpanels immer billiger. Deshalb investieren nun einerseits Privatpersonen, zum Teil aus ideellen Gründen und andererseits Investoren, die auf die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes zählen. Dabei wird meist mehr Strom erzeugt als selber gebraucht wird. Der Rest wird ins Netz eingespeist und das Angebot an Solarstrom steigt – ohne dass die Nachfrage gleichermassen mitzieht. Obwohl in der Schweiz der Solarausbau im Vergleich mit den Nachbarländern sehr langsam erfolgt und erst rund 2 Prozent des Stroms aus Solaranlagen stammen, herrscht aktuell ein Überangebot, das zu den sinkenden Preisen führt. Diese sind nun sogar so tief, dass sie nicht mehr kostendeckend für den Bau von Solaranlagen sind, was von der Branche mit Sorge betrachtet wird.»

Darüber hinaus wird Solarstrom meist in Form von Zertifikaten gehandelt. Es haben sich kleine, agile Anbieter wie Fairpower, Energie Zukunft Schweiz und Nvalue auf dem Markt etabliert. Diese passen die Preise nicht nur jährlich an, wie die etablierte Branche, sondern reagieren rasch auf Marktveränderungen und setzen sich gegenseitig, aber auch die lokalen Energieversorger unter Druck.

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