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Werden wir bald in Miniwohnungen gezwungen?

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Jeder zehnte Haushalt verfügt nach eigener Einschätzung über zu viel Wohnfläche. Vorgaben im geförderten Wohnungsbau sowie Anreizsysteme können zu einer gewissen Verminderung des Flächenkonsums für alle beitragen.

Die erste Studie kommt aufgrund der Daten des Schweizerischen Haushaltspanels zum Schluss, dass rund 10 Prozent aller Haushalte ihren Wohnflächenkonsum als zu gross einschätzen. Diese dürften bei geeigneten Angeboten auch häufig bereit sein, ihren Flächenkonsum mit einem Wohnungswechsel zu vermindern. Für viele andere Haushalte mit überdurchschnittlichem Wohnflächenkonsum ist ein Umzug in ein kleineres Wohnobjekt jedoch grundsätzlich kein Thema. Sie sind nicht der Meinung, über zu viel Wohnraum zu verfügen. Diese Haushalte wären nur mit spezifischen Massnahmen zu einem Umzug in eine kleinere Wohnung und zu einer Reduktion der beanspruchten Wohnfläche zu bewegen.

Mit welchen Instrumenten grundsätzlich der Wohnflächenverbrauch beeinflusst werden könnte, zeigt die zweite Studie, welche zusammen mit der Kantons- und Stadtentwicklung des Kantons Basel-Stadt veranlasst wurde. Sie vergleicht 14 Instrumente, mit denen der Wohnflächenverbrauch beschränkt oder seine Reduktion gefördert wird. Untersucht wurden auch Lenkungsabgaben und Steuern, welche einen geringeren Wohnflächenverbrauch belohnen. Die Autoren empfehlen vier der untersuchten Instrumente zur Umsetzung: Belegungsvorschriften sowie Flächenbeschränkungen bei geförderten genossenschaftlichen und anderen gemeinnützigen Wohnungen, Umzugshilfe durch spezifische Beratungen und die Möglichkeit, mehr Wohnfläche zu bauen, wenn darin flächensparend gewohnt wird (planerischer Dichtebonus).

Je wirksamer die Instrumente zur Senkung des Wohnflächenverbrauchs, umso drastischer würden sie die heutige Funktionsweise des Wohnungsmarkts ändern und anderen wichtigen Anliegen entgegen wirken. Dies gilt unter anderem für Lenkungsabgaben: Es müssten enorm hohe Geldbeträge ein- und ausbezahlt werden, damit schliesslich weniger Wohnfläche pro Kopf belegt würde. Die Nachteile dieser Instrumente dürften heute zu stark wiegen und deshalb abgelehnt werden. Dennoch zeigt die Untersuchung, welchen Beitrag die Wohnungspolitik zum Schutz von Landschaft und Kulturland sowie zur inneren Entwicklung grundsätzlich leisten könnte.

Hintergrund der Untersuchungen ist unter anderem die Zustimmung des Volkes zur Revision des Raumplanungsgesetzes im Jahr 2013. Sie zeigte, dass die Bevölkerung die Landschaft und das Kulturland schützen möchte. Das Wohnen ist jedoch einer der wichtigsten Gründe für den Bodenverbrauch und die Zersiedelung. So sind die Wohngebäudeflächen in der Schweiz zwischen 1985 und 2009 um 53 Prozent gestiegen, während die Wohnbevölkerung lediglich um 17 Prozent zunahm.

 

Bild: © rashch

 

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