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Schweizer Firmen in China kämpfen mit Folgen des Coronavirus

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Die Coronavirus-Epidemie ist nicht nur ein humanitäres Desaster; die noch nie dagewesenen Massnahmen zur Bekämpfung treffen die chinesische Wirtschaft hart. Quarantänen haben Wanderarbeiter daran gehindert, nach den verlängerten Ferien zum chinesischen Neujahr wieder an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Die meisten internationalen Flüge wurden gestrichen, zahlreiche Strassen- und Bahnverbindungen zwischen den Provinzen wurden blockiert. Viele Geschäfte und Restaurants sind nach wie vor geschlossen, der chinesische Tourismus kam zu einem Stillstand – sowohl in China als auch international.

«Die meisten Büroangestellten der Swiss Centers China Mitgliedsfirmen arbeiten zurzeit ohne erhebliche Auswirkungen auf das Tagesgeschäft von zuhause aus. Für Produktionsunternehmen wird es aber zur grossen Herausforderung, ihre Arbeiter aus den Provinzen zurückzuholen und Komponenten von einheimischen Zulieferern zu bekommen», erklärt Nicolas Musy, Delegierter des Verwaltungsrats des Swiss Centers China (SCC), einer Nonprofit-Organisation, die Markteintrittshürden für Schweizer Unternehmen in Asien beseitigt. In einer aktuellen Umfrage von SwissCham China in Kooperation mit der Schweizer Botschaft gaben 71 Prozent der befragten Schweizer Firmen an, dass der Coronavirus ihr Geschäft negativ beeinflusst. 21 Prozent erwägen eine Budgetkürzung von mehr als 15 Prozent.

«Die Coronavirus Epidemie wird unser operatives Geschäft im Februar erheblich beeinflussen. Wir haben unsere Verkaufsaktivitäten gestoppt. Unsere Kunden leiden ebenso unter der aktuellen Situation», berichtet Joe Liu, Geschäftsführer bei Fraisa China, einem Spezialisten für Zerspanungswerkzeuge. «Es herrscht nach wie vor Ungewissheit, aber wir hoffen, dass die Situation schon bald unter Kontrolle ist.»

Simon Law, China-Vorsitzender der Bossard Gruppe, ein Marktführer für Verbindungstechnologie, sieht ähnliche Probleme: «Wir erwarten dieses Jahr einen Verkaufsrückgang von zehn bis 15 Prozent – weil sich die Produktion bei unseren Kunden verlangsamt und wegen Einschränkungen in der Logistik.» Bossard China hat die erforderlichen Massnahmen im Einklang mit den Richtlinien der Regierung umgesetzt: Die Arbeit wurde wieder aufgenommen, ein Teil der Belegschaft arbeitet von zuhause. Simon Law: «Wir werden unseren Kunden trotz dieser schwierigen Situation unser bestes Servicelevel bieten. Wir sind zuversichtlich, dass wir durch das Bossard Smart Factory Logistiksystem und andere Lösungen, die wir in den Produktionsstätten unserer grössten Kunden umgesetzt haben, die Auswirkungen der Krise auf unsere Kunden reduzieren können. Wir erwarten eine wirtschaftliche Erholung, sobald sich die Situation normalisiert hat, und wünschen China allen Erfolg bei der Bekämpfung der Epidemie.»

«Die Coronavirus Krise hat einen signifikanten Einfluss auf unser Geschäft», sagt der stellvertretende Geschäftsleiter eines weiteren Schweizer Unternehmens, ein Weltmarktführer mit Niederlassung in Shanghai. «Die Hälfte unserer Arbeiter kommt von ausserhalb Shanghais, einige von ihnen sitzen in den am meisten betroffenen Gebieten fest. Für diejenigen, die den Weg nach Shanghai schaffen, haben wir wie von der Regierung empfohlen eine 14-tägige Selbstquarantäne eingeführt. All dies, zusammen mit dem Stopp von Geschäftsreisen, der Aussetzung von Marketing-Events und unterbrochenen Lieferketten, beeinträchtigt den normalen Betrieb unseres Unternehmens gravierend.»

In dieser Zeit der Ungewissheit fokussieren sich zahlreiche Schweizer Firmen auf interne Online-Trainings. Sie versuchen, den wirtschaftlichen Schaden auf ein Minimum zu reduzieren und bereiten sich darauf vor, mit voller Kraft durchzustarten, sobald die Epidemie vorbei ist. Die Unternehmen im Swiss Centers Netzwerk, darunter Roche und Novartis, reagieren auf die Krisensituation recht ähnlich: Sie forcieren alle Massnahmen, um die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten sicherzustellen, verfolgen den Verlauf der Krise genau und haben weiterhin Zuversicht in den chinesischen Markt.

Schweizer Spenden

Viele der Schweizer Firmen haben bereits gespendet, um China in dieser Krisensituation zu helfen. Während zum Beispiel Novartis zwei Millionen RMB für die Red Cross Society of China zugesichert hat und mit Gesichtsmasken, medizinischem Alkohol, Schutzanzügen und -brillen hilft, arbeitet Roche eng mit den chinesischen Gesundheitsbehörden zusammen und hat Diagnosetests, medizinische Vorräte und finanzielle Unterstützung für die betroffenen Gebiete gespendet. Zahlreiche weitere Schweizer Firmen haben ebenso geholfen.

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