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Kann man seinen IQ beeinflussen?

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Mit CHF 2.300 pro Einwohner geben die Schweizer fast eintausend Franken mehr für ihre Bildung aus als die Deutschen. Aber sind die Schweizer deswegen auch intelligenter?

Der durchschnittliche Intelligenzquotient (IQ) der Schweizer liegt bei 102; der der Deutschen „nur“ bei 100. Die IQ-Ländervergleichsdaten stammen von Richard Lynn und Tatu Vanhanen (2002), Heiner Rindermann (2007), Khaleefa und Lynn (2008), Ahmad, Khanum und Riaz (2008), Lynn, Abdalla und Al-Shahomee (2008), Lynn und Meisenberg (2010) sowie den PISA-Tests aus den Jahren 2003, 2006 und 2009. Aber wie stark korrelieren Bildungsausgaben und IQ tatsächlich miteinander? Die Norweger kommen mit fast 3.300 Franken Bildungskosten pro Einwohner gerade einmal auf einen durchschnittlichen IQ von 99. Wie also kann ein Mensch intelligenter werden, wenn nicht durch kostspielige Bildungsmaterialien und/oder Bildungsmassnahmen?

Mehr Kalorien für einen höheren IQ
Das Gehirn des modernen Menschen kostet ihn bereits im Ruhezustand fast ein Viertel des gesamten Energiebedarfs und kann bei Stress unter besondere Anspannung geraten. Zum Vergleich: Primaten und andere Säugetiere verbrauchen durch Denkprozesse gerade einmal 5 bis 10 % ihrer Energie. Obgleich die graue Masse nur ca. 2 % des gesamten Körpergewichts ausmacht, absorbiert das menschliche Gehirn etwa die Hälfte der über die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate. Unter Stresseinwirkung steigen die Werte noch einmal in die Höhe und können bis zu 90% der aufgenommenen Nährstoffe erreichen. Da unser Gehirn jedoch keinen eigenen Energiespeicher besitzt, bezieht es seine Energie aus dem Rest des Körpers – quasi auf Anfrage. Daher ist es besonders wichtig, dass man seinen Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt und sicherstellt, dass der tägliche Energiebedarf gedeckt ist. Zu den wirkungsvollsten Energiespendern unter den Nahrungsmitteln gehören getrocknete Früchte, Bananen, Kokosnüsse, Sonnenblumenkerne, Erdbeeren, Sellerie (mit Erdnussbutter), Rinderdörrfleisch, Joghurt, Gemüse mit Hummus und Wassermelone.

Emotional intelligent durch Lesen
Die Effekte, die regelmässiges Lesen auf das Gehirn hat, sind vielfältig. Insbesondere das Lesen von Romanen soll das Gehirn positiv stimulieren. Eine Langzeitstudie kam ausserdem zu dem Ergebnis, dass regelmässiges Lesen die Lebenserwartung um zwei Jahre erhöhen kann. Dabei fördert das Einfühlen in die Erfahrungs- und Gefühlswelt der Protagonisten und anderer Personen nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch die Empathiefähigkeit, als Teil der emotionalen Intelligenz. Auch die verbale Intelligenz wird positiv durch das Lesen von Romanen beeinflusst. Der Leser erweitert stetig seinen Wortschatz und verbessert zunehmend sein Leseverständnis. Je nach der Romanhandlung setzt sich der Leser darüber hinaus mit (gegenwärtigen) gesellschaftlichen Themen auseinander und fördert dadurch – neben seinem Allgemeinwissen – vor allem seine Fähigkeit, eine eigene Meinung zu bilden (Reflexionsfähigkeit).

Spielerisch schlauer werden
Psychologen der Universität Würzburg konnten feststellen, dass ausgewählte Computerspiele die Intelligenz der Spieler fördern. Bislang wurde Computerspielen vor allem nachgesagt, sie würden Bewegungsmangel, Brutalität und soziale Isolierung fördern. Zudem sei das Suchtpotenzial enorm hoch. Computerspiele, in denen die Spieler allerdings dazu angehalten würden, Merkmale von Objekten sowie die Beziehungen zwischen verschiedenen Objekten systematisch miteinander zu vergleichen, würden die Intelligenz, insbesondere auch im Kindesalter, nachweislich fördern. Auch nach einer relativ kurzen Auseinandersetzung mit den Computerspielen verbesserte sich das Denkvermögen der Probanden signifikant; ihr IQ stieg innerhalb von sechs Wochen von 90 auf 101.

Um den systematischen Vergleich zwischen unterschiedlichen Objekten geht es auch bei den Casino-Klassikern wie Blackjack. Beim Blackjack spielt der Spieler nicht gegen andere Spieler, sondern gegen den Croupier. Ziel des Spiels ist es, insgesamt 21 Punkte (in Form von Spielkarten) auf der Hand zu haben. Jede Karte hat einen bestimmten Wert. Die kognitive Herausforderung besteht – neben dem mathematischen Anspruch – vor allem darin, die eigene Spielsituation realistisch einzuschätzen und den richtigen Moment für die Auflösung zu erwischen. Die Vielfalt an möglichen Spielzügen, etwa durch einen Split (Aufteilung der Hand auf zwei Hände) oder eine Verdopplung (Verdoppelung des Einsatzes durch Verdoppelung der Hand), macht das Spiel besonders kniffelig. Die spielerische Art und Weise des Gehirntrainings wird sinnbildlich auch als „Gehirnjogging“ bezeichnet.

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Intelligenter werden durch Bewegung

Damit der „Energiefresser“ Gehirn voll funktionstüchtig arbeiten kann, muss er regelmässig durchblutet und somit mit Nährstoffen versorgt werden. Es muss nicht unbedingt eine sportliche Betätigung sein; bereits ein moderates Bewegungspensum reicht aus, um das Gehirn zu aktivieren. Durch Bewegung werden so genannte Neutrophine freigeschüttet, die das Gehirn leistungsfähiger machen. Dadurch fördert Bewegung die Entwicklung neuer Gehirnzellen, führt zu besseren Gedächtnisleistungen und beugt Demenzerkrankungen vor. Die Steigerung der Denkfähigkeit ist nicht nur der Ausschüttung von Hormonen zu verdanken, sondern vor allem auch der Tatsache, dass körperliche Bewegung unterschiedliche Funktionen des Gehirns fordert und damit auch fördert. Hierzu gehören Wahrnehmung, Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, Lernfähigkeit und viele mehr. Sportliche Menschen sind daher in der Regel geistig vitaler, aufmerksamer und können sich besser konzentrieren. Laut einer Studie unter Grundschülern stieg die Konzentrationsfähigkeit durch Sport um rund 40%. Inaktivität führt hingegen nicht nur zu einem Stillstand, sondern sogar zum Abbau von Gehirnzellen.

Den Alltag intelligenter gestalten
Dass unsere Denkleistung mit dem Alter schwächer wird, ist eine unvermeidbare Tatsache. Insbesondere ab dem 50. Lebensjahr machen sich die kognitiven Beeinträchtigungen besonders deutlich bemerkbar. Daher ist es enorm wichtig, dass wir unser Gehirn fortlaufend fordern und fördern. Welche anderen Ansätze – ausser Ernährung, Lesen, Computerspielen und Bewegung – gibt es? Gibt es nicht vielleicht auch die Möglichkeit, das Gehirntraining leichter in den Alltag einzubauen? Die wohl alltäglichste Tätigkeit, die die Denkleistung fördert, ist Schlaf. In der richtigen Dosis hilft Schlaf dabei, neurotoxische Stoffe im Gehirn abzubauen, die andernfalls zum Verlust der Gehirnleistung – bis hin zur Demenz – führen würden. Allerdings sollte man es mit dem Schlaf nicht übertreiben, da auch zu viel Schlaf die Bildung schädlicher Substanzen im Gehirn fördert.

Besonders geistig stimulierend wirken auch unterschiedliche kulturelle Aktivitäten, wie z. B. die Teilnahme an einem Poetry Slam oder an einer politischen Diskussionsrunde. Wer lieber in kleinen Schritten anfangen möchte, kann auch erst einmal seine alltägliche Routine durchbrechen und das Gehirn zu neuen Leistungen anregen. Dies kann man am besten, indem man z. B. die Reihenfolge der körperhygienischen Massnahmen ändert – z. B. zuerst die Zähne putzt und dann erst in die Dusche steigt oder umgekehrt – oder hin und wieder auch einmal eine andere Strecke zum Arbeitsplatz ausprobiert.

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