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Vaterländisches

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In diesem Artikel von 1832 greift die St. Galler Zeitung diejenigen in der Schweiz an, die die Zeit zuzrückdrehen wollten und nicht begreifen konnten, dass eine neue Zeitrechnung in der Schweiz Einzug gehalten hatte. Der Artikel beschreibt die Ansicht über Bürger die sich gegen grosse Veränderungen im Staate wehren.

Den Dunkelmännern unserer Zeit

Wie auch den Tag mit Nacht ihr zu umhüllen
Und alte Zeit zurückzuführen trachtet,
Das, was Vernunft heischt, freventlich verachtet
Und was der Zeitgeist fordert, zu erfüllen;
Wie ihr auch strebet, nicht um des Rechtes Willen,
Dass, eifersüchtig nur von euch beachtet
Eu`r gutes Recht als giltig sei betrachtet,
Vernunft und Zeit sind feindlich eurem Willen.
Wie ihr auch diese zu befriedigen waget,
mit List und gewaltsam offner That;
Ihr könnt dem Lichte das einmal getaget
könnt wehren nicht der lichterfüllten Saat,
Will uns`re Zeit auf rechter Bahn sich halten
muss frei Vernunft und Recht und Glaube walten !

 

Ein Wort an alle die das Vaterland lieben
(Aus dem Eidgenossen)

Das tausendköpfige Ungeheuer, welches von seinem goldenen Throne geworfen wurde, damit es nicht länger über vernünftige Wesen regiere, lebt noch, krümmt sich gewaltig im Staube und sammelt neues Gift und neue Kräfte um der Herrschersitz wieder einzunehmen, den es mit so mannigfalten Schlachtopfern befleckte.Wer aber der Schlange nicht den Kopf zertritt, wenn sie unter seinen Füssen sich windet, wer den Satan auf sein Ehrenwort entlässt, wenn er ihn gefangen hielt, verdient kein Loos, wie auch immer die Folgen seines Benehmens sein mögen.

Dennoch wer das Bessere nicht nur wünscht, sondern mit Hinansetzung aller besonderen Interessen anstrebt, wenn das Vaterland nicht bloss ein leerer Klang, sondern das heiligste im Leben ist, der muss mit namenloser Wehmuth die durch alle möglichen Ränke herbeigeführte Entzweiung der Eidgenossenschaft ansehen.Ich würde sagen beweinen, wenn es möglich wäre, dass dem brennenden Auge nur lindernde Thränen entquellen; wenn es möglich wäre; dass die Brust einen anderen Gedanken als den des glühenden Hasses gegen die jenigen Unmenschen fassen könnte, welche mit dämonischem Hohnlächeln, bloss um ihre Privatrache, ihr Privatinteresse zu befriedigen, das Vaterland dem Verderben entgegenführen.Vaterland erhebe dich ! - oder ruhen Nationalehre und Nationalsinn schon im Grabe ?

Warum duldet man ungestraft Hochverräther im Vaterlande, die öffentlich ihre schändlichen verdammungswürdigen Wünsche enthüllen, deren Plane man kennt, und doch aus unbegreiflicher Nachsicht nicht samt der Quelle zerstört ?

Schweizer, die ihr diesen schönen, durch den Biedersinn und die edle Vaterlandsliebe unserer Vorältern in allen Weltgegenden bekannten Namen verdient, die ihr euch im Stande fühlt, in Zeiten der Gefahr und des Kampfes, für die geliebte Heimath Blut und Leben hinzugeben, - Schweizer, theure Brüder ! wälzer die Schmach, die Erniedrigung vom Schweizerischen Boden ! - und du verblendete Faktion ! öffne die Augen und siehe den Abgrund, den du dir bereitest; denn wahrlich, ehe die fremden herbeigerufenen Horden des Vaterlandes heiligen Boden betreten, werden die beleidigten Manen der Vorzeit, wird das betrogene und verrathene Vaterland sühnende Opfer fordern, und jeden Falls würde dein Untergang dem Untergange des Vaterlandes vorangehen !

Artikel aus der St. Galler Zeitung vom 22.September 1832

Quelle: http://www.schweizerpressearchive.ch/

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