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Drei Monate Arbeitshaus wegen Unzucht

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Georg Egger von Eggersried verlor im Jahre 1849 seine Frau, die ihm sechs Kinder hinterliess. Es kam Josepha Egger, Mutter zweier ausserehelicher Kinder, zu ihm als Haushälterin, und er beschloss bald, sie zu ehelichen.

Seiner Armuth halber schlug seine Heimathgemeinde ihm die Bewilligung ab. Er erzeugte nun mit seiner Haushälterin ein aussereheliches Kind, und als ihm die Bewilligung zur Ehe dennoch fortwährend abgeschlagen wurde, reist das Päärchen mit 28 Kreuzern im Sacke und ohne mindeste Kenntniss der Sprache, zum Sitze der Christenheit, nach Rom. Dort wurden sie auf der Stelle sopolirt, erhielten ein schönes lateinisches Dokument, mit den Bildnissen der Apostel Petrus und Paulus und des gegenwärtigen Papstes geziert, und säumten nun nicht, die Welt mit zwei weitren Kinder zu vermehren.

Der Staat leitete Beide punkto Unzucht an die Gerichte. Aber hier gingen nun die Wege und Schicksale bedeutend auseinander. Der Mann kam wegen einfachen Rückfalls bloss vor Untergericht Rorschach zu stehen; dieses sprach ihn frei vom Vergehen der Unzucht, weil er kirchlich verehelicht sei, und der Staat liess es bei diesem Urtheil bewenden; Josepha Egger wurde dagegen, weil schon zweimal wegen Unzucht bestraft, dem Bezirksgerichte überwiesen.Auch dieses theilte die Ansicht des Untergerichtes und sprach die Angeklagte frei.

Der Staat aber appelirte an das Kantonsgericht und dieses verfällte 1854 die Josepha Egger zu drei Monaten Arbeitshaus, von der Anschauung ausgehend, die fragliche Ehe existire rechtlich nicht und der daherige Beischlaf sei daher ein Vergehen. Diese Strafe schreckte aber die Eheleute Egger nicht ab: sie vertrauten auf ihr römisches Dokument und erzeugten das sechste Kind. Abermals stellte der Staat die Josepha Egger vor die Gerichte. Die erste Instanz hielt an der früheren Unzucht fest und sparch die Angeklagte frei; die zweite Instanz dagegen verfällte sie wieder zu drei Monaten Arbeitshaus. Den Mann leitete der Staat gar nicht mehr ein, weil er das frühere Freisprechungsurtheil nicht appelirt hatte.

Gewiss sind in diesem Falle drei Dinge interessant: das einte ist, dass der eigentliche Urheber, der Mann, durch die Art und Weise, wie der Prozess sich entwickelte, straffrei ausgeht, und die Frau dagegen unter harter Strafe leiden muss; das andere ist das wirklich heillose, und leichtsinnige Verfahren Rom`s, dass Leute solcher Qualität, mit solcher Aussicht auf Kinderexistenz und Kindererziehung, mit Hintansetzung jeder staatlichen Gesetzgebung, kopulirt und damit eine reichhaltige Quelle des Proleratiats, des Leichtsinns und des Elends öffnet, und das alles, obwohl es weiss, wie sehr die Staaten gegen solche Ehen eifern und einschreiten.

Im römischen Dokumente war ausdrücklich enthalten, dass der kopulierende Priester, dem Päärchen vorgehalten habe, es werde die Strafgesetze seines Landes zu gewärtigen haben. Damit ist aber nichts gethan; auf solche Warnungen vor dem Altar, am Ziele seines Strebens, hört Niemand; geholfen wird hier nur, wenn Rom eine Anmassung und eine Praxis aufgibt, die zum Schädlichen und Unverantwortlichen gezählt werden darf.

Interessant ist auch der beharrliche Widerspruch beider Instanzen.Das Kantonsgericht nimmt einfach den formellen Standpunkt ein und sagt: wo keine staatlich anerkannte Ehe ist, da gibt es keinen erlaubten Beischlaf, derselbe ist vielmehr Unzucht. Das Bezirksgericht Rorschach erledigt die Sache, vom internen Standpunkt des Gewissens und sagt: Unzucht setzt eine Immoralität voraus; die ist aber nicht möglich, wo Religion, Kirche und Gewissen bezüglich einer Handlung mich freisprechen; die Ehe in Rom geschlossen; ist bürgerlich nichtig.

Frau und Kinder können z.B die Heimathsrechte ihres Mannes und Vaters nicht ansprechen, letztere bleiben unehelich, sind bezüglich des Erbens auf die Mutter verwiesen und können den Vater nie beerben; dagegen hat diese Ehe Folgen für das Gewissen und erzweckt, dass eine Handlung, die kein einziger Katholik, kein Beichtvater, kein noch so strenger Moralist als Sünde der Sittlichkeitsverletzung betrachten kann, auch keineswegs vom Staat als Sitllichkeitsverletzung, als Unzucht bestraft werden darf.- Wer hat nun Recht ?

Quelle: http://www.schweizerpressearchive.ch/

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