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Neue Forschungen: Viagra gegen Untergewicht von Ungeboren

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Ein Untergewicht vor der Geburt sorgt für grosse Gefahren. Lebenslange Erkrankungen können Folge des verringerten Gewichtes sein. Weil keine Behandlungsoptionen existieren, befassen sich Forscher mit einem ungewöhnlichen Ansatz. Eine neuseeländische Studie untersucht, ob die Gabe von Viagra stark untergewichtigen Babys vor und nach der Geburt hilft.

Viagra bei Untergewicht von Föten: Studie aus Neuseeland

Wissenschaftler der Universität Auckland kooperierten mit Forschern aus Australien, um ihren neuen Forschungsansatz zu falsifizieren. Sie verwendeten den PDE5-Hemmer Sildenafil, der unter dem Markennamen Viagra verkauft wird. Es dürfte die erste Studie sein, bei der das Medikament, das bei erektilen Dysfunktionen hilft, zur Bekämpfung von Wachstumsstörungen im Uterus eingesetzt wurde.

"Die Theorie besagt, dass Viagra die Blutzufuhr in das männliche Becken verbessert", sagt Doktor Katie Groom, die an der medizinischen Fakultät der Uni Auckland forscht. Die Medizinerin möchte herausfinden, ob die Gabe der Medizin die Blutzufuhr im Unterleib von Frauen verbessert. Würde das Blut in die Plazenta gelangen, könnten sich Wachstumsbeschränkungen bei Föten reduzieren, glaubt die Wissenschaftlerin.

Während der Untersuchung reichten die Mediziner das Medikament an Mütter, deren Föten an Untergewicht litten. Diese Probanden, die aus Neuseeland und Australien stammten, ergänzte eine weitere Gruppe, der ein Placebo gereicht wurde. Groom und ihre Kollegen bestärkten vorherige Untersuchungen, die sich mit dem Transfer des Blutes befassten, das mit Hilfe der gefässerweiternden Substanz reguliert wurde.

"Wenn wir das Wachstum des Fötus stärken und die Geburt verzögern, verbessern wir die Überlebensrate der Babys", sagt die Forscherin. Durch die Behandlung mit Viagra könnten sich viele Komplikationen reduzieren, die zu Behinderungen führen, meint Groom. Der Gedanke kam ihrem Team durch eine wegweisende Studie aus Nordamerika.

Von der Idee zum Forschungsansatz: Details zur Studie

"Es gab vor zehn Jahren eine sehr kleine Fall-Kontroll-Studie in Kanada", erinnert sich die Forscherin. "Es wirkte, als würde diese Medizin die Babys in ihrem Wachstum unterstützen", sagt Groom. Daher sei das neuseeländische Team auf den Gedanken gekommen, die These durch eine grössere Studie mit Viagra zu belegen.

Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, allerdings stehen die Forscher an einem ersten Wendepunkt. Zuvor suchten die Wissenschaftler geeignete Frauen für ihre Studie. Sie fanden 122 Personen aus Neuseeland und Australien: "Das mag nicht nach vielen Probanden klingen", räumt Groom ein.

Durch die Anzahl an Teilnehmerinnen erhielten die Forscher aber genügend Daten, um ihren Ansatz zu vertiefen. Nun ist die Untersuchung an einem Punkt angelangt, an dem die meisten Babys das Licht der Welt erblickten. Nicht alle Föten überlebten die Geburt. Untersuchungen der Überlebenden sollen die langfristigen Auswirkungen des medizinischen Versuches erforschen.

Zukunft der Studie: Erste Ergebnisse angekündigt

"Wir überwachten die Schwangerschaften und beobachteten die Babys nach der Geburt", berichtet Groom vorab. Wie wichtig die erste Zeit sei, in der die frühgeborenen Kinder auf der Welt sind, habe sich während der Studie gezeigt, sagt die Wissenschaftlerin. In der kommenden Phase gehe es nicht nur um die Auswertung dieser Daten, sondern um weitere Analysen der Probanden und ihrer Babys, erzählt die Forscherin.

In den kommenden Jahren begleiten die Wissenschaftler die Babys und ihre Mütter. Die Untersuchungen sind möglich, weil Institutionen wie die "Auckland Medical Research Foundation" (ARMF) die Studie finanzieren. Bislang gaben die Wissenschaftler das Viagra, doch die Ergebnisse stehen noch nicht fest. Ob die Gabe der Medizin einen Unterschied ausmacht, wird sich wahrscheinlich Ende 2017 zeigen.

"Hoffentlich besitzen wir gegen Ende diesen Jahres die Resultate der ersten Phase der Studie", sagt Groom. Diese Daten umfassen den Zeitraum, bis die Babys das jeweilige Krankenhaus verließen. Die Forscherin freut sich auf weitere Zusammenarbeit mit den Heranwachsenden. Dann könnten sich Auswirkungen bemerkbar machen, die bislang noch nicht registrierten wurden.

Forschungen zum Thema: Ungewöhnlicher Einsatz von Viagra


Derweil forschen Wissenschaftler, die ebenfalls durch die ARMF finanziert werden, mit neuseeländischen Schafen. Schwangere Tiere behandeln die Forscher mit Viagra, um Folgen auf den Stoffwechsel von Neugeborenen zu untersuchen Dabei widmen sich diese Wissenschaftler der Analyse von gefährlichen Glukose-Ansammlungen in Leber, Muskeln und Magen, die Folgen des Untergewichts sind.

Vor einigen Jahren verabreichten derweil Ärzte aus der Schweiz den Säuglingen diesen Potenz-Wirkstoff, der den Lungen-Blutdruck der kleinen Patienten reduzierte. Die Gabe von Viagra gilt aber weiterhin als umstritten. Zwar nutzen Männer das Medikament gegen Erektionsschwächen, allerdings raten einige Mediziner von dem Gebrauch zu anderen Zwecken ab.

Selbst der Arzt David Wessel, der am Bosten Children's Hospital arbeitet, empfiehlt lediglich weitere Forschungen mit dem Wirkstoff. Dabei reichte er, laut "New Scientiest", einigen Neugeborenen, die das Alter von sechs Wochen erreicht hatten, selbst Viagra gegen pulmonale Hypertonie. Zuvor erregte der indische Arzt P. K. Rajiv, der am Amrita Institute of Medical Science in Kochi forscht, große Aufmerksamkeit.

Um eine "lebensbedrohliche Situation" zu unterbinden, behandelte er Kinder mit Viagra. Es sei seine Pflicht gewesen, das Leben der Betroffenen zu retten, rechtfertigte sich der Mediziner. Umso wichtiger erscheinen die neuseeländischen Langzeitforschungen, die gegen Ende des Jahres erste Ergebnisse bringen könnten.

Quellen:

 

  1. Viagra trial aims to help underweight babies – nzherald.co.nz
  2. Medizinische Doppelwirkung: Viagra für Babies – focus.de
  3. Viagra Wirkung: Aktiver Wirkstoff Sildenafil – 121doc.com
  4. Zweckentfremdet: Viagra soll lungenkranke Babys retten – spiegel.de
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