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Der Wald kostet mehr als er einbringt

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Vor 300 Jahren wurde das Prinzip der Nachhaltigkeit im Wald «erfunden». Die Bewirtschaftung soll ökologische, ökonomische und soziale Aspekte in Einklang bringen. Doch die Schweizer Waldwirtschaft rutscht immer tiefer in die roten Zahlen.

In seinem Standardwerk «Sylvicultura oeconomica» hat der Deutsche Hans Carl von Carlowitz 1713 erstmals das Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft dargelegt. Nach einer Phase der Plünderung der europäischen Wälder forderte er, dass immer nur so viel Holz geerntet werde wie nachwächst. Dieses Prinzip hat sich auch in der Schweiz durchgesetzt und wird bis heute konsequent angewendet. Dank einer im internationalen Vergleich strengen Gesetzgebung und der langen forstlichen Tradition gilt unser Land als Vorbild für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Die Waldfläche – ein Drittel der Landesfläche – ist rigoros geschützt und die Holzvorräte nehmen in manchen Gebieten sogar zu. Der naturnahe Waldbau erfüllt seit Jahrzehnten höchste ökologische Anforderungen; unsere Wälder beherbergen heute über einen Drittel aller heimischen Tier- und Pflanzenarten und gleichzeitig bieten sie den Menschen wertvollste Erholungsgebiete.
 
Nachhaltigkeit in Frage gestellt
Das Prinzip der Nachhaltigkeit bedeutet allerdings auch, dass die Ökologie langfristig mit den wirtschaftlichen und sozialen Aspekten ins Gleichgewicht gebracht wird. Und dieses Prinzip ist zurzeit in der Schweizer Waldwirtschaft in Frage gestellt, denn die Mehrheit der Waldeigentümer und Forstbetriebe steckt in den roten Zahlen. Grund sind die tiefen Holzerlöse und ständig zunehmende Auflagen und Anforderungen. Lange Zeit konnten die Kosten für Waldpflege und Holzernte aus dem Holzerlös gedeckt werden. Infolge des harten Schweizer Frankens und der günstigeren Rahmenbedingungen im Ausland ist das Schweizer Holz heute aber häufig nicht konkurrenzfähig. Der Holzbau boomt zwar in unserem Land, doch das Bauholz wird oft in Form von Vorfabrikaten aus dem Ausland importiert. Viele Schweizer Waldeigentümer lassen ihre Bäume stehen, weil der Holzverkauf häufig nicht einmal die Erntekosten zu decken vermag. Während es auf der Einnahmeseite harzt, nehmen die Aufwände laufend zu. Die Wälder müssen vielfältigste Funktionen erfüllen: als Erholungsräume mit sicheren Wegen und Plätzen, Schutzwälder, Luftfilter und Wasserspeicher, Naturschutzgebiete usw. Die Waldeigentümer werden immer mehr in die Verantwortung genommen, für ihre Leistungen aber wenig abgegolten.
 
Waldwirtschaft fordert Abgeltungen
Der Wald kostet seine Besitzer mehr als er einbringt. Nach neusten Zahlen (Testbetriebsnetz, Bundesamt für Statistik) erwirtschaften 60% der Schweizer Forstbetriebe Defizite, welche von den Waldeigentümern getragen werden – meist Gemeinden und Korporationen. Waldwirtschaft Schweiz, der Verband der Waldeigentümer fordert deshalb, dass bei der anlaufenden Umsetzung der Waldpolitik 2020 und der geplanten Biodiversitätsstrategie alle Massnahmen auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit geprüft werden. Für neue Kosten verursachende Auflagen müssten auch geeignete Finanzierungsinstrumente geschaffen werden, damit die Waldeigentümer für ihre Leistungen abgegolten werden können. Aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten können zur Nachhaltigkeit im Wald beitragen. «Setzen Sie beim Einkaufen und beim Bauen auf einheimisches Holz, achten Sie auf das Herkunftszeichen Schweizer Holz!», schreibt der Waldeigentümerverband.
 
Internationaler Tag des Waldes (ITW)
In den 1970er Jahren wurde der Internationale Tag des Waldes (ITW) durch die FAO (Ernährungsund Landwirtschaftsorganisation der UNO) lanciert. Ziel der ITW-Aktivitäten ist es, der Bevölkerung Informationen und Eindrücke über die Bedeutung des Waldes zu vermitteln. Im Fokus stehen seine vielfältigen Leistungen und die verschiedensten Aspekte der Nutzung durch den Menschen. Der ITW findet jährlich am 21. März statt. In der Schweiz legt das Bundesamt für Umwelt BAFU zusammen mit den an Wald und Holz interessierten Organisationen das jeweilige Thema fest. Für 2013 wurde das Thema «300 Jahre Nachhaltigkeit im Wald» gewählt. Ein Dossier findet sich auf der Website des BAFU: http://www.bafu.admin.ch/wald/01198/07597/index.html?lang=de
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