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Südkorea gibt Walfangpläne auf

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Wie die deutsche Delfin- und Walschutzgesellschaft ProWal mitteilt, hat die Regierung von Südkorea angekündigt, seine Walfangpläne aufzugeben. Erst vor ein paar Tagen sorgte Südkorea für ein weltweites Entsetzen, als das Land bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama ankündigte, sein 1986 eingestelltes Walfangprogramm wieder aufnehmen zu wollen. Vor dem Inkrafttreten des Walfangmoratoriums tötete Südkorea etwa 1.000 Zwergwale in seinen eigenen Küstengewässern.

Andreas Morlok, Geschäftsführer von ProWal, ist erleichtert: „Wir begrüßen diese Ankündigung und freuen uns sehr darüber, dass die australische Regierung in den letzten Tagen mächtig Druck auf die Regierung in Seoul ausübte, damit dieser kommerzielle Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft nun doch nicht stattfindet. Wenigstens ist dieser Freifahrtschein, um Wale legal zu töten und das Fleisch der Meeressäuger kommerziell vermarkten zu können, nun vom Tisch.“

Trotz der Ankündigung Südkoreas, keinen wissenschaftlichen Walfang betreiben zu wollen, hält sich die Freude darüber bei Tierschützern in Grenzen. ProWal wirft der Regierung in Seoul vor, dass sie dennoch einen unkontrollierten und nichtregulierten kommerziellen Walfang im eigenen Land duldet.

Andreas Morlok: „In Südkorea werden nach der offiziellen Einstellung des kommerziellen Walfangs von 1986 und der damaligen Verfügung der Regierung, alle Walfangaktivitäten einzustellen, immer noch Großwale getötet und das Walfleisch vermarktet. Der heutige Walfang in Südkorea ist verschleiert und hat einen reinen kommerziellen Charakter, welcher an und für sich durch die Statuten der IWC verboten ist. Im internationalen Vergleich ist der Beifang von Walen in den südkoreanischen Fischernetzen außergewöhnlich hoch und obwohl alle Beifänge der Regierung mitgeteilt werden müssen, konnten Gentests bei untersuchtem Walfleisch beweisen, dass tatsächlich nur jeder zweite Beifang gemeldet wurde.

Bei der Tagung der IWC vor einer Woche machte die Zahl von jährlich 60 – 70 zufällig gefangenen Zwergwalen in Südkorea die Runde. Die tatsächliche Anzahl, der nach unserer Meinung mit Absicht gefangener Wale, dürfte aber sehr viel höher sein. Bei unseren Recherchen in Südkorea stellten wir eine große Nachfrage und einen großen Absatzmarkt für Walfleisch fest. Allein in der Stadt Ulsan gibt es im Hafen 20 Restaurants, die neben Hunde- und Delfinfleisch auch das Fleisch der großen Meeressäuger anbieten. In der ganzen Stadt soll es über 100 solcher Restaurants geben. Auf dem Fischmarkt kostet das Kilogramm Walfleisch etwa 130,- €. Ein Zwergwal kann einen Gewinn von bis zu 75.000,- € einbringen. Daher ist die Versuchung, die Meeressäuger absichtlich in die Netze zu locken, für die Fischer in Südkorea sehr groß. Die südkoreanische Regierung unternimmt nichts gegen diesen illegalen kommerziellen Walfang in seinen eigenen Gewässern und duldet ihn bis heute.“

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