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Auch Fische können Schmerzen empfinden

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Seit einiger Zeit befasst sich die Forschung vertieft mit der Frage, ob Fische Schmerzen empfinden können. Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) kommt nach Prüfung der zentralen wissenschaftlichen Argumente zum Schluss, dass zumindest bestimmten Fischen Schmerzempfinden nicht abgesprochen werden kann. Dies muss Auswirkungen auf unseren Umgang mit Fischen haben. In ihrem Bericht legt die EKAH ihre Überlegungen dar und unterbreitet Empfehlungen für Gesetzgebung und Praxis.

Vor dem Hintergrund von Überfischung und Intensivierung der Fischzucht fokussiert die öffentliche Diskussion auf das Thema einer „nachhaltigen", d.h. ressourcenschonenden, umwelt- und sozialverträglichen Nutzung von Fischen. Die Frage, ob wir gegenüber dem einzelnen Fisch ethische Pflichten haben, bleibt weitgehend ausgeblendet. Müssen wir Fische moralisch berücksichtigen, unabhängig davon, ob sie uns nützen? Welche Kriterien entscheiden darüber? Und erfüllen Fische diese Kriterien?

Von den heute geschätzten 64‘000 Wirbeltierarten sind ungefähr die Hälfte Fische. Zoologisch bilden sie keine Einheit. Unter dem Begriff wird eine enorme biologische Bandbreite von in Gestalt ähnlichen Lebewesen zusammengefasst. Im Vergleich zu anderen Wirbeltieren und Nutztieren wissen wir über Fische wenig. Neuere Studien über Schmerzempfinden und kognitive Fähigkeiten haben eine Kontroverse über den Umgang mit Fischen in Gang gesetzt. Sowohl in der Wissenschaft als auch im Alltagsverständnis gehen die Auffassungen über die Empfindungsfähigkeit von Fischen auseinander.

Für die Mehrheit der Mitglieder der EKAH liefern die heute vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zwar keine Beweise zur Empfindungsfähigkeit von Fischen. Die Indizien machen es aber schwierig, zumindest bestimmten Fischarten das Schmerzempfinden abzusprechen. Eine Minderheit vertritt die Auffassung, dass aufgrund der naturwissenschaftlichen Befunde bejaht werden muss, dass bestimmte Fische über eine Form des Schmerzempfindens verfügen.

Empfindungsfähigkeit und kognitive Eigenschaften können aus unterschiedlichen Gründen ethisch relevant sein. Für die Mehrheit der Mitglieder sind sie wichtige Kriterien, um im Umgang mit Fischen das artspezifische Gedeihen zu berücksichtigen. Für die Minderheit ist Empfindungsfähigkeit das ethisch massgebliche Kriterium: Wenn Fische Schmerzen empfinden können, dann müssen sie deshalb um ihrer selbst willen moralisch berücksichtigt werden.

Auch ohne völlige Gewissheit über ihre Schmerzempfindungsfähigkeit muss dies nach Auffassung aller Mitglieder Folgen für unseren Umgang mit Fischen haben. Betäubungs- und Tötungsmethoden sowie Haltungsbedingungen in Zucht, Forschung, privater Haltung und Fischerei sollen vor dem Hintergrund neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse überprüft werden:

  • Nicht nur theoretisch, sondern auch in der tatsächlichen praktischen Anwendung (z.B. im Rahmen von Aquakulturen) müssen Fische möglichst schmerz- und stressfrei getötet werden.
  • Technische Risiken von Zucht- und Haltungsanlagen sind so zu minimieren, dass Fehlfunktionen nach menschlichem Ermessen nicht zu einem Massensterben der Fische führen.
  • Angeln und das damit verbundene Töten von Fischen soll nur mit Sachkundenachweis erlaubt sein. Allfällige Ausnahmebewilligungen können aus Sicht der EKAH nicht gerechtfertigt werden.
  • Forschung zum Fischwohl soll gezielt unterstützt werden, insbesondere mit Blick auf Fische, die intensiv genutzt werden, über die man aber noch wenig weiss. Dabei soll berücksichtigt werden, dass Zuchtfische im Vergleich zu ihren wildlebenden Artgenossen andere Bedürfnisse entwickeln können.
  • Anstrengungen, Tierversuche nach den Regeln von „3R" zu reduzieren, zu verfeinern und zu ersetzen, sollen nicht ungeprüft zu einer Verlagerung von Experimenten an „höher" entwickelten Tieren wie Mäusen und Ratten zu solchen an Fischen führen.
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