Home | Wissen | Tierwelt | Bettdecken voller Tierleid

Bettdecken voller Tierleid

Schriftgrösse: Decrease font Enlarge font
image

In der Schweiz erhältliche Bettwaren können immer noch Daunen aus Lebendrupf oder Stopfmast enthalten

Weltweit werden jährlich rund 40 Millionen Enten und Gänse für die Produktion der als Delikatesse bekannten Foie gras (französisch für „Fettleber”) gestopft. Der Grossteil ihrer Daunen und Federn landet in der Bettwarenindustrie. Auch viele Bettwarenhersteller, die ihre Produkte unter anderem in der Schweiz vertreiben, können nicht vollständig ausschliessen, dass ihre Bettwaren Daunen aus tierquälerischer Stopfmast oder Lebendrupf enthalten. Dies, weil sie aus Tierschutzsicht bislang nur ungenügende Kontrollen durchführen. Unter anderem haben grosse Schweizer Bettwarenanbieter wie COOP City, Globus, Interio, JYSK, Manor, Matratzen Concord, Micasa, Möbel Pfister und Top Tip Daunenprodukte von solchen Herstellern bezogen. 

Viele Bettwarenhersteller und Bettwarenanbieter können zurzeit Daunen von grausam gestopften oder lebend gerupften Enten oder Gänsen in ihrem Sortiment nicht vollständig ausschliessen. VIER PFOTEN hat die Unternehmensrichtlinien der Firmen bezüglich Tierschutz unter die Lupe genommen und jede Firma um Stellungnahme gebeten. Das Problem für Schweizer Konsumenten: Bettwaren-Produkte von Herstellern, die Daunen aus der Stopfmastproduktion oder Lebendrupf nicht vollständig ausschliessen können, werden derzeit auch von Bettwarenanbietern wie COOP City, Globus, Interio, JYSK, Manor, Matratzen Concord, Micasa, Möbel Pfister und Top Tip im ganzen Land vertrieben.

Kampagne „40 Lives“ gegen Tierleid in Bettwaren

VIER PFOTEN hat daher Ende November die Kampagne „40 Lives” gegen Tierleid in Bettwaren gestartet. Die Tierschutzorganisation stellt dabei, stellvertretend für alle in der Bettwarenindustrie leidenden Gänse und Enten, 40 Vögel, deren Daunen in einer Bettdecke verarbeitet wurden, ins Rampenlicht. Im Rahmen der Kampagne fordert VIER PFOTEN Bettwarenhersteller und -anbieter auf, ab sofort Verantwortung für die Tiere in ihren Lieferketten zu übernehmen und durch strenge Standards, die seriöse Kontrollsysteme enthalten, Daunen aus Stopfmast oder Lebendrupf in ihren Produkten garantiert auszuschliessen.

Kampagnenarbeit zeigt sofortige Wirkung


Viele von VIER PFOTEN zu einer Stellungnahme aufgeforderte Bettwarenhersteller und –anbieter haben bereits reagiert und zu den Rechercheergebnissen der Tierschutzorganisation Stellung genommen. Die Stellungsnahmen der Schweizer Bettwarenanbieter lassen generell folgenden Schluss zu: „Viele Bettwarenanbieter scheinen sich sicher zu sein, dass sie keine Daunen aus Lebendrupf oder Stopfmast verkaufen“, sagt Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin von VIER PFOTEN Schweiz. „Sie werben mit Standards und Gütesiegeln, die belegen sollen, dass die Lieferkette sauber ist, doch diese Standards und Gütesiegel sind aus Tierschutzsicht meistens unzureichend und schliessen Stopfmast und Lebendrupf aufgrund fehlender oder lascher Audits entlang der gesamten Lieferkette nicht vollständig aus.

Daher müssten diese Firmen ihre Lieferanten in Bezug auf Tierschutzstandards strenger überwachen. „Erfreulich für VIER PFOTEN: Einige Bettwarenanbieter und Hersteller (wie Billerbeck, Häussling, Möbel Pfister und auch Micasa) haben VIER PFOTEN gegenüber bereits angekündigt, in Zukunft strengere Richtlinien und/oder Kontrollen in Bezug auf den Ausschluss von Stopfmast und/oder Lebendrupf   implementieren zu wollen. Wir hoffen,  dass sie sich für die strengsten Massnahmen entscheiden und nicht nur versuchen, die Konsumenten über magere Zusagen zu beruhigen. Zudem hoffen wir, dass sich auch weitere Bettwarenanbieter und Hersteller zu stärkerer Rückverfolgbarkeit bekennen."

Gerupft und gestopft wird auch heute noch

Auch wenn viele Hersteller behaupten, dass Daunen nicht von gequälten Tieren stammen, beweist aktuelles Videomaterial aus mehreren europäischen und chinesischen Farmen, in dessen Besitz VIER PFOTEN ist, das Gegenteil: Es ist immer noch gang und gäbe, mit brutalen Prozeduren Daunen und Stopfleber zu gewinnen (siehe Download Link): Vögel werden an ihren Hälsen durch Ställe gezerrt, gefesselt und gerupft, frisch gestopfte Tiere kauern nach Luft ringend in ihren Käfigen.

„Das ist nicht nur ein richtiger Tierschutz-Skandal, sondern auch ein Schlag ins Gesicht für die Konsumenten“, sagt Lucia Oeschger. „Konsumenten haben ein Recht darauf zu erfahren, welches Produkt sie kaufen. In einer Daunen-Bettdecke stecken die Daunen von ca 40, in einem Kissen die von 15 Gänsen und Enten. Wer es aus ethischen Gründen ablehnt, Leber aus Stopfmast zu verzehren, möchte mit ziemlicher Sicherheit auch keine Daunen von grausam gestopften oder gerupften Tieren in seinem Kissen und seiner Bettdecke haben.” Die VIER PFOTEN Schweiz Kampagnenleiterin geht davon aus, dass in allen Bettwaren-Produkten, deren Hersteller keine seriösen Kontrollen der Lieferanten durchführen, Tierleid in Form von Stopfmast und Lebendrupf stecken kann. Die Recherchen von VIER PFOTEN zeigen ausserdem, dass neben den Schweizer auch deutsche, englische und österreichische Bettwarenhersteller Daunen aus der Stopfmastproduktion oder Lebendrupf nicht glaubhaft ausschliessen können.

Problematik Stopfmast

Die Stopfmast ist eine extrem grausame Methode zur Herstellung der als Delikatesse bekannten Foie gras (französisch für „Fettleber”). Diese Praktik ist in der Schweiz und in zahlreichen anderen europäischen Ländern aus Tierschutzgründen verboten. Dabei wird Gänsen und Enten ein Rohr in die Speiseröhre eingeführt, um grosse Mengen Futterbrei über ein Druckluftsystem in den Magen zu pumpen. Mit der Zeit verfettet die Leber und vergrössert sich dabei um bis das Zehnfache. Am Ende der Mast ist die Leber der Vögel so gross, dass die Tiere kaum mehr atmen oder sich bewegen können. Zusätzlich werden viele der Gänse vor der Stopfmast bei lebendigem Leib gerupft, um ihre Daunen zu gewinnen. Während des Rupfens werden viele Tiere verletzt, und die Wunden werden meist ohne Betäubung genäht.

VIER PFOTEN_2016-11-21_005.JPG

Hersteller von Outdoorbekleidung als Vorbild

Beispiele aus der Outdoorbekleidungsindustrie zeigen, dass dies durchaus machbar ist: Die Unternehmen „The North Face“ und „Patagonia“ hatten 2014 nach einer VIER PFOTEN Kampagne angekündigt, keine Daunen von Gänsen und Enten aus Stopfmast oder Lebendrupf mehr verarbeiten zu wollen. Beide Unternehmen entwickelten daraufhin eigene strenge Standards, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Daunen-Lieferkette gewährleisten und Stopfmast sowie Lebendrupf ausschliessen (Responsible Down Standard und Traceable Down Standard). Diese Standards stehen der gesamten Industrie zur Verfügung und werden derzeit von einigen Outdoor-, Mode- und Sportmarken implementiert.

hinzufügen zu: Add to your del.icio.us del.icio.us | Digg this story Digg
  • email An einen Freund versenden
  • print Druckversion
  • Plain text Klartext
Tags
Keine Tags für den Artikel vorhanden
Umfrage: Bundestagswahl 2017
Im September sind Bundestagwahlen in Deutschland. Für welche Partei werden/würden Sie stimmen?