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Die behornte Kuh stirbt aus!

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image Einem Kälbchen wird der Hornansatz ausgebrannt. Für die Tiere eine qualvolle Prozedur.

Heute hat KAGfreiland das neue Tierprojekt «Horn auf!» gestartet. An der Pressekonferenz im zoologischen Museum der Uni Zürich wurde «die letzte Hornkuh» durch die Stadt und ins Museum geführt.

Von Natur aus sind Kühe behornt. Doch heute haben 90% (!) der Kühe in der Schweiz keine Hörner mehr. Auf der Milchpackung jedoch tragen die Kühe Hörner. Eine Mogelpackung!

Jährlich werden 200'000 Kälber enthornt. Für KAGfreiland, die schweiz. Nutztierschutz-Organisation, ist diese routinemässige Enthornerei nicht zu rechtfertigen. Denn es gibt zahlreiche Bauernhöfe, die erfolgreich behornte Kühe halten, auch im Laufstall. Mit richtigem Umgang mit den Kühen und mit angepasstem Stallbau kann das Unfallrisiko massiv gesenkt werden. Das Horn ist wichtig für die Kuh für das Sozialverhalten, die Rangordnung und die Körperpflege.

KAGfreiland fordert die Landwirtschaftsbranche auf, ihre negative Einstellung zu Hornkühen zu revidieren. Vom Bund verlangt sie, die Normstallmasse auf behorntes Rindvieh auszurichten. Und die Milchbranche und den Detailhandel ruft sie auf – analog dem Süssmost aus Hochstammobst – eine Hornmilch ins Sortiment aufzunehmen. Nur so kann die behornte Kuh vor dem Aussterben
bewahrt werden.

An der heutigen Pressekonferenz hat KAGfreiland ihr neues Projekt namens «Horn auf!» lanciert. Als Sinnbild für das drohende Aussterben der Hornkuh wurde eine Kuh mit Hörnern ins zoologische Museum der Uni Zürich geführt. Die Meinung innerhalb der Landwirtschaft ist klar: Ein Laufstall mit behornten Kühen funktioniere nicht. Behornte Kühe seien ein Unfallrisiko für Mensch und Tier. Deshalb empfiehlt die ’Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft’ seit Jahrzehnten, Kälber generell zu enthornen. Resultat: Heute trägt in der Schweiz nur noch 1 von 10 Kühen Hörner. Kein Wunder, funktioniert Laufstall und Horn oft nicht: Denn die vom Bund definierten Normstallmasse eignen sich nicht für behornte Kühe.

Die Haltung von behornten Kühen funktioniert

Für KAGfreiland ist das Unfallrisiko ein vorgeschobenes Argument. In Wahrheit wird enthornt, um Geld und Zeit zu sparen. Auf Kosten der Tiere. Denn hornlose Kühe benötigen weniger Platz im Stall und müssen weniger betreut werden. Wegen des wirtschaftlichen Drucks sind immer weniger Bauern bereit, den Mehraufwand für behornte Kühe zu leisten. Dazu Denise Marty, Tierhaltungsexpertin bei KAGfreiland: «Es ist falsch, Hörner einfach als gefährlich zu bezeichnen. Denn zahlreiche Bauern beweisen, dass es sehr wohl funktioniert, behornte Kühe im Laufstall zu halten.

Entscheidend sind die Mensch-Tier-Beziehung, ein auf Hornkühe ausgerichteter Stall sowie der richtige Umgang mit den Tieren.» Weil es andere Wege gibt, das Unfallrisiko massiv zu reduzieren, erachtet KAGfreiland das routinemässige hunderttausendfache Enthornen nicht als Notwendigkeit. Zum gleichen Schluss kommt Claudia Schneider, Beraterin beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau: «Meine Studie zeigt, dass auch behornte Kühe im Laufstall gehalten werden können.»

KAGfreiland hat 40 Bauern auf ihrer Homepage aufgelistet, die behornte Kühe im Laufstall halten, mit täglichem Auslauf auf Weide oder im Laufhof. Einer von ihnen, Peter Brem aus Wolhusen (LU) sagt: «Etwas, das die Natur gegeben hat, darf man nicht einfach wegnehmen. Es funktioniert im Laufstall, wenn man Zeit investiert und die Tiere gut beobachtet.»

Schmerzmittel bei Enthornungen zu selten eingesetzt

Enthornungen werden meist bei Kälbern vorgenommen. 200'000 Kälber pro Jahr. Enthornt wird durch Ausbrennen der Hornansätze. Ein Eingriff, der in der Schweiz nur unter Betäubung erlaubt ist. Trotzdem verursacht er Stress und Schmerzen beim Tier. Hier hakt der Tierarzt Adrian Steiner von der Vetsuisse-Fakultät der Uni Bern ein: «Schmerzmittel können den Schmerz nach dem Enthornen lindern. Sie werden aber in der Praxis zu selten eingesetzt.»

Enthornungen sind in der Schweiz erlaubt. Wir sieht das aber aus tierethischer Sicht aus? Dazu der bekannte Tierethiker Klaus Peter Rippe, Präsident eidg. Ethikkommission: «Interessen von Tieren haben in Güterabwägungen wirkliches Gewicht. Somit ist die Enthornung von Kühen neu und ernsthaft zu diskutieren.» Pointiert die Meinung des Juristen Gieri Bolliger, Geschäftsführer der ’Stiftung für das Tier im Recht’: «Das Enthornen missachtet die Tierwürde und verstösst darum gegen das Tierschutzgesetz.»

Hornlosigkeit in der Natur nicht erfolgreich

Hörner wachsen lebenslang. Sie sind durchblutet und mit Nervenfasern durchzogen. Sie sind nicht totes Material und können also nicht wie menschliche Zehennägel einfach weggeknipst werden. Für Milena Burri, Zoologin bei KAGfreiland, gehört das Horn zur Kuh: «Hornlose Rinder haben sich in der Natur nicht durchgesetzt, obwohl Hornlosigkeit dominant vererbt wird. Das Horn ist wichtig für die Kuh für das Sozialverhalten, die Rangordnung und die Körperpflege.»

Reinhold Messner: Das Horn gehört zur Kuh


Auch für die Bevölkerung hat eine richtige Kuh Hörner. Kinder zeichnen Kühe immer mit Hörnern. In Umfragen und Publikumsprämierungen sprechen sich die Leute für behornte Kühe aus. Dessen sind sich Landwirtschaft und Detailhandel sehr bewusst. In der Werbung und auf der Milchpackung haben die Kühe durchwegs Hörner. Eine Mogelei und eine Verballhornung der Konsumenten/-innen. Prominenter Fürsprecher für die behornte Kuh ist der Extrem-Bergsteiger und heutige Bio-Bauer Reinhold Messner: «Das Hörnerprojekt ist eine gute Sache. Hoffen wir, dass in 100 Jahren noch einige Kühe mit Hörnern übrig bleiben.»

Unser Tipp: Fragen Sie in Geschäften danach, ob die Milch von nicht enthornten Kühen stammt.Wenn doch, lassen Sie sie stehen !!

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