Bienenschonend mähen
Neue Forschungsresultate zeigen erschreckend hohe Bienenverluste bei Wiesenschnitt mit Mähaufbereitern. Durch walzen oder schlagen verletzen letztere die Wachsschicht des Mähgutes, damit dieses schneller trocknet. Dieser Prozess tötet auch viele Bienen.
Landwirte sind auf die Honigbienen angewiesen. Der Ertrag im Obst- und Beerenanbau hängt zu ungefähr 80% von der Blütenbestäubung durch die Bienen ab. Kulturen wie Raps und Sonnenblumen bringen bei intensiver Bestäubung durch Bienen höhere Erträge. Doch Mähmaschinen töten massenhaft Bienen. Was können Landwirte tun, damit es nicht soweit kommt?
Für das Überleben der Sammelbienen ist ein korrekter Einsatz von Mäh- und Mulchgeräten sehr wichtig. Die Forschungsanstalten Agroscope Tänikon und Liebefeld haben Untersuchungen zu Bienenverlusten beim Mähen von blühenden Flächen gemacht. Auf den Versuchsparzellen blühte Phacelia oder Weissklee. Weder vom Lärm noch von den Vibrationen des nahenden Traktors lassen sich Bienen auf ihrem Flug von Blüte zu Blüte stören. In der Regel fliehen Hummeln und Wildbienen bei herannahender Gefahr. Im Gegensatz dazu konzentrieren sich Honigbienen voll auf das Sammeln von Nektar oder Pollen und lassen sich von der Mähmaschine nicht von ihrer Tätigkeit abbringen. Dieses spezielle Verhalten erklärt auch, weshalb eine Reduktion der Fahrgeschwindigkeit beim Mähen von 6-8 auf 2 km/h die Verluste bloss um 10% senken konnte.
Die Forschungsresultate zeigen erschreckend hohe Bienenverluste, wenn von Bienen besuchte Felder mit einem Mähaufbereiter gemäht wurden. Im Versuchsfeld mit Weissklee wurden 9‘000 bis 24‘000 Bienen je Hektare getötet. Setzt man diese Zahl in Vergleich zur Anzahl von ungefähr 30‘000 Arbeiterinnen je Bienenvolk, so ist diese sehr hoch. Im blühenden Phaceliafeld betrugen die Verluste je Hektare sogar 80‘000 bis 106‘000 Bienen. Zum Glück werden in der Praxis Phaceliafelder selten bis nie mit einem Mähaufbereiter oder Schlegelmähwerk gemäht.
Bienenverluste können dann ausgeschlossen werden, wenn ausserhalb der Bienenflugzeit gemäht wird. Ab dem späten Abend, über die Nacht bis am frühen Morgen befinden sich keine Nektar- und Pollensammlerinnen in blühenden Feldern. Je nach Trachtpflanze, Tageszeit, Boden und Witterung wird ein Feld auch tagsüber sehr unterschiedlich stark beflogen. Ein Blick genügt um festzustellen, wie stark ein Feld von Bienen besucht wird. Zählt man mehr als eine Biene pro m2, soll nicht gemäht werden. Die Versuche der Forschungsanstalten haben gezeigt, dass Bienenverluste mit Mähaufbereiter siebenmal höher ausfallen als ohne. Deshalb soll auf den Aufbereiter verzichtet werden, wenn tagsüber Felder mit blühenden Pflanzen gemäht werden müssen. Massive Bienenverluste können auch beim Mulchen mit Schlegelmähwerken entstehen. Deshalb darf auch mit diesem Gerät nur dann gemäht werden, wenn in der Parzelle weniger als eine Biene pro m2 gezählt wird.
Mit den folgenden Empfehlungen der Forschungsanstalten wird Mähen bienenfreundlich:
- Nur Mähen, wenn weniger als eine Biene je m2 Fläche gezählt wird.
- Das Mähen von Wiesen mit Blüten auf den Abend, die Nacht oder in die frühen Morgenstunden verlegen.
- Zum Mähen von Parzellen mit blühenden Pflanzen, die von Bienen besucht werden, auf keinen Fall Mähaufbereiter oder Schlegelmähwerke verwenden.



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