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ConnyLand: Weitere Missstände und Steuerhinterziehung?

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Nach dem Tod des Delfins „Shadow“ am letzten Dienstag erheben die beiden deutschen Delfinschutzorganisationen ProWal und das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) gegenüber den zuständigen Behörden und dem ConnyLand schwere Vorwürfe.

Andreas Morlok von ProWal: „Obwohl der Delfin schon seit September deutliche Anzeichen einer Krankheit hatte, verweigerte der zuständige Veterinäramtsarzt Paul Witzig unsere Forderung, die Techno-Party Ende Oktober abzusagen. Messungen von Schweizer Tierschützern ergaben vor dem Veranstaltungsgebäude Lärmwerte, die mit einem Presslufthammer vergleichbar sind. Witzig hat keine fachliche Kompetenz über Delfine, wie er selbst einräumt und weiß wohl nicht, dass Delfine im Ultraschallbereich von über 20 kHz hören, also in Bereichen, in denen der Mensch überhaupt nichts mehr hören kann. Zu sagen, er höre nichts mehr, also sei alles in Ordnung, ist mehr als fahrlässig. Spezial- Hydrophonmessgeräte, die im Wasser eingesetzt werden können, scheint er nicht zu besitzen.

 

In einem Interview mit der Basler Zeitung sagte die Zoo-Veterinärin Kerstin Jurczynski vom Duisburger Delfinarium zu den WDSF/ProWal-Vorwürfen wegen der Techno-Party am ConnyLand-Delfinarium bezüglich der Schädigung der Delfine durch die starke Lärmbelästigung: „Dazu hätte man im Delfinarium auch Messungen unter Wasser durchführen müssen. Stress kann sich auf jeden Fall negativ auf das Immunsystem auswirken.“

Die Delfinschutzorganisationen bemängeln auch, dass es weiterhin Unklarheiten über die Anzahl der Todesfälle in den letzten drei Jahren gibt. Während Witzig gestern nur von sechs Todesfällen sprach, räumte der Pressesprecher und Geschäftsführer vom ConnyLand Erich Brandenberger einen Tag zuvor ein, dass die Zahl von sieben toten Delfinen stimme.

 

Tatsächliche Todesfälle laut ProWal und WDSF seit 2008 im ConnyLand:

  • Magic (männlich), die Mutter war Chicky, der Vater unbekannt, geboren am 09. September 2001, gestorben am 09.05.2008. Todesursache: Bakterielle Infektion: Erysipelas

  • Chicky's Kalb (ohne Namen, weiblich), Vater unbekannt, geboren am 20. Jun...i 2008, gestorben 29.Juni 2008. Todesursache: Nicht eindeutig. Vermutlich Ertrinken.

  • Silver (männlich), die Mutter war Cheespa, Vater unbekannt, geboren am 30 Juni 2008, gestorben 07. August 2008. Todesursache: Nicht eindeutig. Vermutlich Lungenentzündung.

  • Cheespa (weiblich), ein Wildfang, gefangen um den 20. Januar 1986, (Herkunft unbekannt) - Gestorben am 24. Juli 2009. Todesursache: Tödliche Injektion.

  • Secret (männlich), die Mutter war Chicky, der Vater unbekannt, geboren 27. August 2009, gestorben 13. September 2009. Todesursache unbekannt.

  • Barchus (männlich), Wildfang, gefangen um den 09. Dezember 1985. (Herkunft unbekannt). Gestorben 22.05.2011. Todesursache: Nierenversagen.

  • Shadow (männlich), Nachzucht im Connyland, geb. 24.09.2003; Gestorben 08.11.2011, Todesursache noch unbekannt, möglicherweise infolge durch Stress durch den Lärm einer Techno Party

Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF: „Es gibt überhaupt keine Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Hätten uns ehemalige Delfintrainer vom ConnyLand nicht die Todeszahlen und Details genannt, die Öffentlichkeit wüsste bis heute nicht, dass nun sieben Delfine seit 2008 gestorben sind. Wir werden beim Bundesveterinäramt die Absetzung des Kantonstierarztes Paul Witzig beantragen. Für die Betreuung der einzigen Delfine in der Schweiz müssen unabhängige und fachkompetente Personen zuständig sein. Wir haben bereits mehrere Spezialisten in der Schweiz befragt, ob sie diese Aufgabe übernehmen würden und werden diese auch dem Bundesveterinäramt vorschlagen.“

 

Die Vermutung von Herrn Brandenberger, der Delfin könnte vergiftet worden sein, beurteilen die Delfinschützer als „Unterstellung gegenüber den eigenen Mitarbeitern“. Das ConnyLand ist bis Ende März 2012 für den Publikumsverkehr geschlossen und nur eigene Mitarbeiter haben Zugang zur Delfinhalle.

 

Der Tod des Delfins „Shadow“ empört nicht nur die Öffentlichkeit im In- und Ausland, sondern scheint noch viel mehr auszulösen. Wie die Delfinschutzorganisationen jetzt bekanntgeben, sollen sich weitere ehemalige Mitarbeiter an das WDSF und ProWal gewandt haben, die schwere Vorwürfe gegenüber dem ConnyLand erheben.

 

Jürgen Ortmüller: „Es kommen immer mehr Details über diesen Freizeitpark ans Tageslicht. Wir haben Lohnabrechnungen von ehemaligen ConnyLand-Delfintrainern übermittelt bekommen, die vermuten lassen, dass Angestellten Teile ihrer Gehälter, eventuell am Finanzamt vorbei, in bar ausbezahlt worden sind. Diese Lohnzuwendungen wurden laut diesen Abrechnungen vom ConnyLand möglicherweise nicht versteuert. Das soll keine Ausnahme, sondern Praxis bei vielen Mitarbeitern sein, wie uns mitgeteilt wurde. Wir sehen uns verpflichtet, diese Unterlagen den Schweizer Finanzbehörden zu übergeben.

 

Ein ehemaliger Delfintrainer teilte den Tierschutz-Organisationen mit, dass es früher gut ausgebildete Trainer im ConnyLand gab, die allerdings kündigten, weil sie die Verantwortung für die Haltungsbedingungen nicht mehr übernehmen wollten. Heute sollen nur noch Delfintrainer, meist aus Mexiko, dort arbeiten, die kaum Erfahrung mit dem Umgang und der notwendigen Pflege mit diesen sensiblen Tieren haben.“

 

Der weltberühmte Oskarpreisträger Ric O`Barry, der viele Kampagnen von ProWal und WDSF zur Schließung von Delfinarien begleitet, bekam gestern vor einem Millionenpublikum in Deutschland einen Bambi überreicht und empfahl, um das Leid und Tod von vielen Delfinen in Gefangenschaft zu verhindern, ganz speziell in Deutschland und in der Schweiz keine Eintrittskarten mehr für Delfinarien zu kaufen.

 

Photo: Toter Connyland-Delfin (WDSF/ProWal-Foto copyright)

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